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Zum methodischen Ablauf offener Spiel- und Lernfelder

Ich grüße dich zum letzten Blogbeitrag zu den offenen mathematischen Spiel- und Lernfeldern. Nachdem ich sie dir zunächst allgemein vorgestellt habe und dann explizit auf die Merkmale offener Spiel- und Lernfelder eingegangen bin, stand beim letzten Beitrag die Planung und Vorbereitung im Vordergrund. Heute nun möchte ich dir einen möglichen methodischen Rahmen zur konkreten Umsetzung vorstellen. Denn trotz der bereits genannten sechs Merkmale bzgl. der Offenheit mathematischer Spiel- und Lernfelder ist es empfehlenswert, bestimmte Rahmenbedingungen für gelingende Bildungsprozesse einzuhalten. Dazu gehören Struktur gebende und immer wieder kehrende Abläufe bzw. Rituale, die den Kindern (und übrigens auch den Lernbegleitern) einerseits die notwendige Sicherheit und andererseits die größtmögliche Freiheit bieten. Somit können die Kinder innerhalb dieses gesteckten Rahmens ihre Kreativität und Verschiedenheit entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen frei umsetzen. Gerade darin zeigt sich meines Erachtens eine konsequent gelebte Kindorientierung und spiegelt das aktuelle Bild vom Kind wider. Und genau diese prägt die Einstellung und Haltung von Lernbegleitern zu Kindern und lässt sie Selbstgestalter ihrer Entwicklung sein.

Von den Lernbegleitern (pädagogische Fachkräfte in Kitas oder Lehrkräfte in Grundschulen) werden also neben einem großen Maß an Flexibilität und Spontanität auch ein angemessenes Zeitmanagement sowie vor allem ein sensibler, neugieriger und stets kindorientierter Blick gefordert. Dies sind zweifelsohne immer wieder enorme Herausforderungen im Gegensatz zu geschlossenen und frontalen Lernformen, in denen alle Kinder zur gleichen Zeit das gleiche tun (z.B. das Basteln von vorgegebenen Osternestern oder das Abarbeiten von Übungsaufgaben aus dem Schulbuch). Jedoch überraschen die Forscherfragen und die Ideen der Kinder sowie deren begeisterte Umsetzung stets aus neue.

Für den konkreten Ablauf offener Spiel- und Lernfelder im Elementar- und Primarbereich hat sich innerhalb unserer Erprobung eine dreigeteilte Schrittfolge bewährt: eine Einstiegsphase, eine Forscherphase sowie eine Präsentations- und Auswertungsphase. Diese Abfolge ähnelt damit auch Aktivitäten zur Förderung kreativer Prozesse, welche ebenfalls in drei Phasen eingeteilt sind, in die Problemphase, die Such-, Lösungs- und Verwirklichungsphase sowie in die Reflexionsphase.

Die dreigliedrige Schrittfolge möchte ich dir nun genauer vorstellen:

Innerhalb der Einstiegsphase geht es darum, durch einen herausfordernden kleinen Auftrag oder ein geeignetes Alltagsproblem oder eine spannende Fragestellung, die Neugier und das Interesse der Kinder für das offene Rahmenthema zu wecken. Wenn die Kinder das Material noch nicht kennen oder lange nicht damit gearbeitete haben, kann in dieser Phase auch das Material kennengelernt bzw. erkundet werden. Die Hauptrolle der Lernbegleiter besteht im Beobachten der Kinder. Welche ersten Ideen entwickeln sie? Welche Fragestellungen tauchen auf? Welche besonderen Themen werden bearbeitet?

In Anlehnung an diese Beobachtungen zu den Tätigkeiten der Kinder kann dann in die Forscherphase übergeleitet werden. Innerhalb dieser können die Kinder eigene Fragestellungen, ein offenes Ausgangsproblem oder einen problemhaften Erkundungsauftrag bearbeiten. Die offene und prozessorientierte Problembearbeitung ermöglicht den Kindern hierbei eigene Ideen zu realisieren. Eine besondere Herausforderung für die Lernbegleiter ist eine angemessene Begleitung der Kinder beim mathematischen Forschen und Entdecken. Hilfestellungen oder gar Korrekturen sollten entsprechend dem Motto „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ erfolgen. Hierbei kann es aber z.B. sinnvoll sein, Impulse in Form von Anregungen zu geben. Das Stellen von Fragen hat sich nach unseren Erfahrungen oft als ungünstig erwiesen, denn diese könnten den Forschungsprozess der Kinder bremsen oder ganz aufhalten. Zudem ist es angebracht die Ideen der Kinder aufzugreifen und Interesse daran zu zeigen. Beim Einsatz unserer offenen Spiel- und Lernfelder hat es sich als erfolgreich gezeigt, wenn Lernbegleiter den Weg des Entdeckens und Forschens der Kinder sprachlich begleiten, mit den Kindern angemessene Dialoge führen und ihnen somit Prozesse bewusst machen. Des Weiteren ist es empfehlenswert den Forscherprozess der Kinder zu dokumentieren. Hierzu sind Notizen zu sprachlichen Äußerungen der Kinder sowie Fotos der Eigenproduktionen (auch Zwischenergebnisse) der Kinder oder Fotos auf denen die Mimik und Gestik der Kinder beim Forschen sichtbar ist, geeignet. Kleine „Bildfolgen“ – also mehrere Fotos des Ablaufs – sind für Kinder besonders gut nachvollziehbar und helfen bei der späteren Präsentation und Reflextion sowie in der Arbeit mit dem Portfolio. Diese Dokumentationen können also sowohl in der Präsentations- und Auswertungsphase mit den Kindern genutzt werden, als auch für spätere Team- und Elterngespräche zum individuellen Entwicklungsstand und zu besonderen Stärken der Kinder. Die Lernbegleiter sollten während der Begleitung auch auf die Ideen der Kinder bzgl. der Nutzung von Hilfsmitteln und besonderer Materialien eingehen, diese wenn möglich zulassen bzw. Tipps zur Nutzung dieser entsprechend den individuellen Vorgehensweisen der Kinder geben. Während der Forscherphase ist es normal, dass sich Kinder phasenweise eher allein mit ihren Ideen bzw. Herausforderungen auseinander setzen und erst danach oder nach Aufforderung mit anderen in einen kommunikativen Austausch gehen.

In der abschließenden Präsentations- und Auswertungsphase können die Kinder ihre verschiedenen Ergebnisse vorstellen und über ihre unterschiedlichen Vorgehensweisen und Entdeckungen diskutieren. Gemeinsam mit dem Lernbegleiter reflektieren sie über ihr Denken und Lernen innerhalb der Forscherphase. Fragen wie: „Bin ich mit meinem Ergebnis zufrieden?“, „Habe ich es mir so vorgestellt?“ (geistige Vorwegnahme), „Wenn ich einen anderen Weg gewählt hätte, zu welchem Ergebnis wäre ich gelangt?“ oder „Was könnte ich verändern, um …?“ bieten einen ersten Einstieg in die Ebene der Metakognition (das Nachdenken über das eigene Lernen) und verbinden in geeigneter Weise Lernergebnisse und Lernprozesse. Dies wiederum kann vom Lernbegleiter und von den Kindern zur Dokumentation in Lerngeschichten und Portfolios genutzt werden. Eine besondere Form der Präsentation kann u.a. das Gestalten einer Ausstellung sein, in der die Kinder ihre Eigenproduktionen vorstellen können und von allen anderen beteiligten Kindern und Erwachsenen (auch Eltern) somit eine gewisse Wertschätzung erfahren.

Generell sollten Lernbegleiter innerhalb der drei Phasen stets alters- und entwicklungsgemäß die jeweiligen Interessen der Kinder berücksichtigen, d.h. nicht jedes Kind muss bis zur Präsentations- und Auswertungsphase kommen. Es wäre auch ganz im Sinne der Philosophie der offenen Spiel- und Lernfelder, wenn z.B. Kinder in der Einstiegsphase erst einmal im Flow verweilen.

Wenn du möchtest, kannst du jetzt mit dem Thema „Wir forschen mit Wäscheklammern“ weitermachen. Wie würdest du die Einstiegsphase gestalten? Hier gibt es kein richtig und kein falsch, sondern je nach den Bedürfnissen deiner Kinder und euren bisherigen Erfahrungen mit offenen Lernformen kannst du den Einstieg sehr offen gestalten und den Kindern lediglich eine große Menge an Klammern zur Verfügung stellen oder du denkst dir einen ersten kleinen Erkundungsauftrag aus, z.B. Wie kann man Wäscheklammern eigentlich sortieren? Dann schau einfach, was passiert und sei gespannt auf die Ideen der Kinder. Lass dich dann weiter von ihnen in die Forscherphase führen. Oft passiert dies nämlich ganz automatisch. Wenn ihr ein solches offenes Arbeiten noch nicht gewohnt seid, dann kannst du selbst einige offene Forscherfragen zur Auswahl reingeben, z.B. Wer baut aus Klammern den höchsten Turm? Wie könnt ihr aus Klammern Kreise legen? Welche Wäscheklammern tragen das meiste Gewicht? Die Kinder können dann ein Forscherproblem davon auswählen und bearbeiten. Diese Forscherfragen können jeweils mit Schätzungen bzw. Vermutungen im Vorfeld begleitet werden. Je nachdem, was in der Forscherphase umgesetzt wurde, kann dann in der Präsentations- und Auswertungsphase gemeinsam mit den Kindern über ihre Forscherwege, ihre Entdeckungen usw. gesprochen werden und eine „Klammerausstellung“ aufgebaut werden.

Wenn du dich noch weiter inspirieren lassen möchtest, dann findest du im Buch

Alle Kinder sind Matheforscher: Frühkindliche Begabungsförderung in heterogenen Gruppen

insgesamt 24 offene mathematische Spiel- und Lernfelder, die zum sofortigen Ausprobieren auf dich und deine Kinder warten.

Wenn du magst, kannst du mit dem Planungsraster (planungsraster), das ich für dich als Download bereit stelle und auf der Grundlage deiner Beobachtungen bei den Kindern selbst ein Thema für ein offenes mathematisches Spiel- und Lernfeld vorbereiten. Setze es dann ein und reflektiere danach (vielleicht auch gemeinsam im Team). Du kannst auch gern folgende Fragen zur Selbstreflektion nutzen:

  • War ich während des Angeplanungsrastebots offen für die Ideen der Kinder?
  • Habe ich die Kinder ko-konstruktiv durch Impulse zur Realisierung eigener Ideen begleitet?
  • Habe ich problemhafte Erkundungsaufträge gestellt und die prozessorientierte Problembearbeitung der Kinder unterstützt?
  • Habe ich die Kinder zur Dokumentation auf individuelle Weise angeregt?
  • Wie und was habe ich beobachtet und dokumentiert und was kann ich daraus schlussfolgern?
  • Was haben die Kinder entdeckt, erforscht und dabei gelernt?

Ich wünsche dir einfach viel Freude beim Ausprobieren und bin wie immer sehr gespannt auf deine Kommentare und Fragen. Bis zum nächsten Beitrag, da wird es übrigens um Möglichkeiten für mathematische Alltagserkundungen zu Hause mit den Eltern gehen, grüße ich dich herzlich,

Mandy Fuchs

Zur Planung und Durchführung offener mathematischer Spiel- und Lernfelder

Es ist prima, dass du wieder meinen neuen Blogbeitrag entdeckt und angeklickt hast. Sicher bist du neugierig, wie es mit den offenen mathematischen Spiel- und Lernfeldern nun weiter geht. Oder möchtest du am liebsten gleich so richtig loslegen? Ja das kannst du heute, denn nachdem ich dir die Spezifik der offenen mathematischen Spiel- und Lernfelder zunächst allgemein vorgestellt habe und dann auf deren konkreten Merkmale eingegangen bin, möchte ich dich heute einladen, selbst ein solches offenes Feld für deine Kinder vorzubereiten.

Bevor es richtig losgeht ein kurzer Rückblick. Hast du vielleicht nach dem letzten Beitrag nochmal besonders über die Offenheit nachgedacht? Und sind dir dabei Gedanken gekommen wie: „Wenn eine solche Offenheit vorhanden sein sollte, wie kann ich das denn vorbereiten und vor allem auch eine offene Planung hinbekommen? Und ist diese überhaupt sinnvoll? Ich weiß doch im Vorfeld gar nicht, was genau die Kinder entdecken oder erforschen wollen?“ Oder: „So viel Offenheit verunsichert mich. Dann macht ja jedes Kind was es will und mir entgleitet alles. Passt das zu den curricularen Vorgaben?“ Das sind sehr gute Gedanken und ich kann dir im Vorfeld schon sagen: Es braucht von deiner Seite 1. vor allem Vertrauen in die Kinder, dass sie kreative Ideen haben werden 2. eine gute Portion Mut von deiner Seite, Dinge auszuhalten, von denen du zunächst nicht weißt wo sie hinführen und 3. eine neugierige Grundhaltung für die tollen Einfälle, die die Kinder mitbringen werden.

Aber was es noch braucht, sind ein paar gedankliche sowie inhaltlich-organisatorische Vorbereitungen, um einerseits einen Rahmen für die Kinder zu setzen, in dem sie sich offen, frei und kreativ bewegen können und um andererseits als Lernbegleiter selbst die Chancen und Potenziale des Settings voll ausschöpfen zu können. Als ein solcher methodischer Rahmen hat sich innerhalb unserer Erprobung immer wieder eine dreigeteilte Schrittfolge bewährt: eine Einstiegsphase, eine Forscherphase sowie eine Präsentations- und Auswertungsphase. Auf dieses Ritual werde ich im nächsten Blogbeitrag genauer eingehen.

Wenn du jetzt mitmachen möchtest, dann wähle doch ein Material aus, welches dich besonders anspricht. Du erinnerst dich sicher noch an die von mir vorgeschlagenen Alltagsmaterialien, die oft ein enormes mathematisches Potenzial mitbringen und den von mir wichtigen Kriterien: EINFACH, BILLIG und GENIAL entsprechen. Ich nehme als Beispiel mal Wäscheklammern, denn ich selbst habe sie als Kind geliebt.

Die erste Voraussetzung hinsichtlich der Vorbereitung offener Spiel- und Lernfelder besteht im Erkunden des mathematischen Potenzials des Materials (also der Wäscheklammern) durch den Lernbegleiter (also durch dich) selbst. Einerseits sammelst du somit wertvolle Selbsterfahrungen im Umgang mit den entsprechenden Dingen und andererseits werden wichtige mathematische Einsichten in Bezug zu vielfältigen Möglichkeiten mit dem Material gewonnen. An folgenden Leitfragen kannst du dich beim eigenen Erkunden orientieren:

  • Welche mathematischen Erfahrungen und Entdeckungen sind möglich?
  • Welche mathematischen Lernprozesse können mit dem Material angeregt werden?
  • Zu welchen mathematischen Fragestellungen fordert das Material heraus?
  • Mit welchen Fragen und Impulsen könnten die Kinder angeregt werden?
  • Welche Ideen und Vorgehensweisen könnten Kinder dabei entwickeln?
  • Wie können Kinder zur Kommunikation über ihr Tun angeregt werden?
  • Welche Inhalte bieten sich für den Austausch an?
  • Wie können die Kinder zur Dokumentation ihres Tuns angeregt werden?
  • Welche Formen der Dokumentation werden durch das Material angeregt?

Zurück zu unseren Wäscheklammern! Auf mehreren Fortbildungen haben Lernbegleiter sowohl aus dem Kita- als auch aus dem Grundschulbereich viele Ideen zu Wäscheklammern entwickelt. Hier ein paar Beispiele:

  • Klammer entdecken: Material, Legen geometrischer Figuren (Kreise, Quadrate, Rechtecke), Symmetrie, Parallelität, Anzahlen schätzen und messen der Klammergröße, …
  • alle Klammern sortieren: Farbe, Material, Größe, sauber, schmutzig, heil, kaputt, …
  • mit Klammern messen: Klammer als Maßeinheit (Miss deine Körpergröße im Klammermaß! Miss Schulmaterial in Klammermaß!
  • mit Klammern legen (ohne Zusammenklammern): Muster mit und ohne Vorgabe legen, Figuren mit und ohne Vorlage legen
  • mit Klammern bauen (mit Zusammenklammern): Figuren und Körper bauen, Fantasiegebilde und – figuren bauen
  • mit Klammern stapeln: Türme stapeln (Wie viele Stockwerke kannst du bauen, ohne dass der Turm einstürzt? Wer baut den höchsten Turm? Schaffen 4 Klammertürme mit je 10 Stockwerken deinen Schulranzen zu tragen? Kannst du Buchstaben, Zahlen, deinen Namen mit Klammern bauen?)
  • mit Klammern zählen: Wie viele Klammern brauchst du, um ein E, usw. zu bauen? Wie viele Klammern hast du von jeder Farbe?
  • mit Klammern rechnen: Bestimme die Anzahl von Klammern jeder Farbe! Errechne die Differenzen! Wie viele Klammern jeder Farbe musst du addieren oder subtrahieren, um von jeder Farbe die gleiche Anzahl zu haben!
  • mit Klammern wiegen: Sind Klammern unterschiedlicher Farben verschieden schwer? Welche Farbe ist am schwersten, leichtesten?
  • mit Klammern schätzen: Wie viele Klammern sind in der Kiste? Wie viele Klammern brauchst du, um einen vollen Kreis zu bilden?
  • mit Klammern transportieren: Probiere Dinge mit der Klammer von der einen Tischkante zur anderen zu tragen! (Blatt, Füller usw.) Baue einen Turm und nimm die Klammer als Werkzeug!
  • Klammern als Motivator: Für jede gelöste Aufgabe darfst du dir eine Klammer nehmen! Wie viele Klammern hast du, dein Team, die Klasse geschafft?
  • Klammer als Wahrscheinlichkeit: Wie viele Lagemöglichkeiten findest du, wenn du eine Anzahl (5, 7, 10) Klammern in die Luft wirfst, und diese auf dem Boden landen?

Aber weißt du was? Im Sammeln von Ideen, was man mit Materialien machen könnte, sind wir richtig gut. Die große Herausforderung besteht eigentlich darin, um dieses Potenzial zu wissen und die Kinder herauszufordern eigene spannende Ideen, ja gar eigene Forscherfragen zu entwickeln und ihnen nicht unsere Denkpfade aufzuzwingen. Denn du erinnerst dich an das moderne Kindbild: Kinder wollen lernen und die Welt erkunden. Das was Kinder von sich aus motiviert tun, das bringt nachhaltige und positive Lerneffekte mit sich. Kinder lernen vor allem mit Begeisterung und diese Begeisterung ist am größten, wenn sie ihre eigenen Fragen und Themen bearbeiten. Deshalb kann es auch gut sein, dass manche Kinder unsere Wäscheklammern oder „unsere“ Ideen mit ihnen total blöd finden.

Eine zweite unversichtbare Voraussetzung für den Einstieg in ein offenes Spiel- und Lernfeld ist deshalb, dass die Kinder ausreichend Möglichkeit erhalten das Material selbst zu erkunden und du sie dabei beobachtest. Dies kann sowohl in Freispielphasen (in der Kita) oder in Pausen (in der Grundschule) als auch in der Einstiegsphase (vgl. methodischer Ablauf) geschehen. Die Aufgabe der Lernbegleiter ist in beiden Fällen eine genaue Beobachtung der Kinder, um sowohl ihre Interessen, Themen und Bedürfnisse herauszufinden als auch ihre mathematischen Kompetenzen dabei zu erfassen. Erste Ideen der Kinder zum Umgang mit dem jeweiligen Material werden hierbei sichtbar. Dies bildet die Grundlage für weitere Impulse innerhalb der Forscherphase (vgl. methodischer Ablauf im nächsten Beitrag) und für die Anregung ko-konstruktiver Lernprozesse. Bei den Beobachtungen kannst du dich an folgenden Leitfragen orientieren:

  • Was machen die Kinder mit dem Material?
  • Welche Ideen entwickeln die Kinder im freien Umgang mit dem Material?
  • Wie ausdauernd beschäftigen sich die Kinder mit dem Material?
  • Arbeitet ein Kind lieber allein oder mit einem oder mehreren Kindern zusammen?
  • Welche Kinder sind „Ideenentwickler“ und welche Kinder sind eher „Beobachter“ und übernehmen die Ideen von anderen?
  • Welche Aktivitäten ermöglichen das Material und könnten als offenes Spiel- und Lernfeld gestaltet werden?

So dann kannst du jetzt richtig loslegen. Wähle dein Lieblingsmaterial und erforsche selbst sein mathematisches Potenzial. Natürlich wirst du hierbei auch lernbereichs- bzw. fächerübergreifende Ideen sammeln und das ist super so! Ein ganzheitlicher und komplexer Blick schafft ebenfalls einen positiven Effekt beim Lernen. Dabei wirst du auch merken, welche besonderen Hilfsmittel vielleicht noch angebracht sind, die die kleinen Matheforscher unterstützen könnten. Ja und wenn du meinst, es könnte sinnvoll sein, dann gib den Kindern das Material doch einfach mal zum Spielen, halte dich mit allem zurück und beobachte nur, was sie damit tun.

Ich freue mich auf deine Fragen und Kommentare und wir besprechen dann im nächsten Beitrag den letzten Schritt (Zum methodischen Ablauf offener Spiel- und Lernfelder), bevor du dann mit den Kindern loslegen kannst.

Bis dahin viel Freude beim Matheforschen,

Mandy Fuchs

Merkmale offener mathematischer Spiel- und Lernfelder

Was ist eigentlich Mathematik? Und was bedeutet Mathematik für uns im täglichen Leben? Darüber nachzudenken ist wirklich spannend und lohnenswert für jeden einzelnen, denn von den Antworten hängt ab, wie wir unsere Kinder begleiten, die mathematische Welt um uns herum zu entdecken und zu erschließen. Im heutigen Blogbeitrag soll es um die Merkmale offener mathematischer Spiel- und Lernfelder gehen. Und vielleicht kam bei dem ein oder anderen von euch ja bereits die Frage auf: Was hat Mathematik eigentlich mit Spielen zu tun?

Für mich (und übrigens auch für viele andere, die sich mit dem Lernen von Mathematik beschäftigen) umfasst Mathematik zwei wesentliche Aspekte: Zum einen verbinde ich Mathematik mit etwas ästhetisch sehr schönem. Mathematik ist für mich die Wissenschaft schöner und oft auch nützlicher Muster und Strukturen, die sich aktiv, also mit vielfältigen Materialien und interaktiv, also gemeinsam mit anderen, erschließen und anwenden lassen. Und der zweite wesentliche Aspekt klingt wohl für viele von euch fast unglaublich und wie ein großes Geheimnis: Sich mit Mathematik zu beschäftigen ist wie ein Spiel. Ja du hast richtig gelesen! Viele professionelle Mathematiker lieben es mit Zahlen, Formen, Mustern usw. zu spielen und dabei mathematische Entdeckungen zu machen.

Ja und deshalb ist für mich auch ganz klar: 1. Kinder dürfen mit Mathematik spielen und 2. Kinder sollen sogar die Möglichkeit erhalten, nicht nur in der Kita sondern auch in der Grundschule und zu Hause, mathematische Phänomene spielerisch zu entdecken und zu erforschen. Und genau dafür sind die offenen mathematischen Spiel- und Lernfelder bestens geeignet.

Erste allgemeine Merkmale dieser Spiel- und Lernfelder ergeben sich aus den bekannten Merkmalen des Spiels, z.B.:

  • die intrinsische Motivation (das Spielbedürfnis kommt vom Spielenden selbst) und der Selbstzweck des Spiels,
  • die Loslösung vom Alltag (Kinder dürfen selbst in die Forscherrolle schlüpfen) und das Ausleben der Fantasie,
  • die Selbstbestimmung und Selbstkontrolle der Spielenden,
  • die Beteiligung der Emotionalität (Spielen macht Spaß), je offener die Bewältigung der Spielaufgabe ist, desto größer ist der Reiz beim Spielen und somit auch die lustvolle Spannung,
  • der vorher nicht bekannte bzw. bestimmte Ausgang beim Spielen,
  • die Notwendigkeit von Ordnung und Sicherheit gebenden (Spiel)Regeln,
  • die Wiederholung und das Ritual im Spiel sowie
  • das Erleben von Gemeinsamkeit zwischen den Spielenden.

An dieser Stelle möchte ich darauf verweisen, dass Kinder viele Dinge im Spiel lernen und dass das gemeinsame Spielen von Eltern mit ihren Kindern so bedeutungsvoll ist, nicht nur für das Lernen von Mathematik. Es ist also aus meiner Sicht völlig ausreichend, mit den Kindern zu Hause zu spielen, sich Bücher anzuschauen und zu lesen sowie viele Ausflüge in die Natur und die alltägliche Umwelt zu unternehmen. Ich werde in einem der kommenden Blogbeiträge noch ausführlicher auf die Rolle von Eltern eingehen und beispielhaft auch Möglichkeiten für alltägliche mathematische Erkundungen zu Hause aufzeigen. Die nachfolgenden didaktischen Merkmale beziehen sich eher auf einen Einsatz der Spiel- und Lernfelder im pädagogischen Kontext in der Kita bzw. in der Grundschule.

Ein ganz besonderes didaktisches Merkmal ist die Offenheit. Wie oben bereits bei den Spielmerkmalen erwähnt gilt: je offener die Herausforderung ist, desto größer ist der Reiz und somit auch die lustvolle Spannung. Aus mathematikdidaktischer Sicht können für den Einsatz offener mathematischer Spiel- und Lernfelder in der Kita und in der Grundschule folgende Merkmale genannt werden: Bei vorgegebenem thematischen Rahmen, eine möglichst große Offenheit bzgl.

  • vielfältiger Ideen und Vorgehensweisen,
  • der Kreativität und der Vielfalt möglicher Entdeckungen,
  • der Wahl von Hilfsmitteln,
  • der Dokumentation und Ergebnispräsentation,
  • der Kommunikation sowie
  • der Teilnahme und Verweildauer der Kinder.

Diese Merkmale möchte ich im Einzelnen nun genauer vorstellen.

  1. Eine Offenheit bzgl. vielfältiger Ideen und Vorgehensweisen

Die Kinder haben die Möglichkeit das Thema bzw. das mathematische Problem auf unterschiedliche, auch kreative Weise zu bearbeiten. Mögliche Vorgehensweisen sind z.B. ein intuitives Herantasten, ein ausdauerndes Probieren, ein systematisches Vorgehen oder ein abwechselndes Probieren und Nutzen erkannter Strukturen. Dabei können die Kinder mit Material handelnd tätig sein, Bilder zur Visualisierung malen bzw. mit Zahlen, Formen oder Figuren im Kopf operieren.

  1. Eine Offenheit bzgl. der Kreativität und der Vielfalt möglicher Entdeckungen

Das Thema, das Material oder anregende Impulse des Lernbegleiters sollten stets die Kreativität der Kinder unterstützen bzw. herausfordern und damit im Zusammenhang vielfältige (mathematische) Entdeckungen ermöglichen. Dies setzt eine offene und wertfreie Haltung der pädagogischen Fach- und Lehrkräfte gegenüber den Ideen der Kinder voraus. Diese sind herausgefordert, unerwartete Situationen bzgl. origineller Ideen der Kinder (zunächst) auszuhalten und zu einem geeigneten Zeitpunkt zu hinterfragen bzw. selbst darüber zu reflektieren und im Idealfall aufzugreifen und auszubauen.

  1. Eine Offenheit bzgl. der Wahl von Hilfsmitteln

Den Kindern sollten zur Bearbeitung der Thematik verschiede Materialien bzw. Hilfsmittel zur Verfügung stehen, die sie je nach Vorgehensweise bzw. Ideen individuell nutzen können aber nicht müssen. Möglich sind in diesem Zusammenhang die Nutzung unterschiedlicher Medien zur Informationsgewinnung (z.B. Sachbücher, Kindersuchmaschinen im Internet, …) und „Werkzeuge“ zur Informationsverarbeitung (vgl. auch die Hinweise weiter unten).

  1. Eine Offenheit bzgl. der Dokumentation und Ergebnispräsentation

Die Kinder sollten alters- und entwicklungsgemäß verschiedene Anregungen zur Dokumentation und Präsentation ihrer Entdeckungen erhalten, z.B. das Aufmalen oder Abzeichnen, das Fotografieren, das Eintragen in Tabellen oder ins Forschertagebuch, ins Portfolio oder Weltentdeckerbuch sowie das Aufbauen von Ausstellungen, das Herstellen von Postern, Lapbooks usw.

  1. Eine Offenheit bzgl. der Kommunikation

Die Fachkraft sollte die Kinder zur Kommunikation untereinander und zur Interaktion miteinander anregen. Dies bietet sich während der Forscherphase aber auch in der Präsentations- und Auswertungsphase an. Hierbei können die Kinder je nach Alter, Entwicklungsstand und Interesse zum Vergleichen, Ordnen, Begründen, Argumentieren und Prüfen angeregt werden.

  1. Eine Offenheit bzgl. der Teilnahme und Verweildauer der Kinder

In der Regel sollten Kinder selbst entscheiden, ob sie mitmachen und wie lange sie teilnehmen. Ein sensibler Lernbegleiter findet aber auch angemessene Impulse, Interessen zu wecken und die Ausdauer von Kindern zu fördern.

Wichtig ist es, den Kinder verschiedene Materialien bzw. Hilfsmittel zum Forschen und Entdecken bereitzustellen. Diese können sie dann je nach Bedarf eigenständig nutzen. Geeignet sind hier vor allem:

  • vielfältige Messinstrumente (Waagen, Messbecher, Maßbänder, …)
  • Zeichengeräte (Lineale, Schablonen, Zirkel, …)
  • Spiegel
  • Stifte (Bleistifte, Buntstifte, …)
  • Material zur Erforschung von Zahlenräumen und zum Schätzen
  • Taschenrechner
  • Baumaterialien (Pappen, Schachteln, Röhren, …)
  • Nachschlagewerke und Bücher
  • Papier, Scheren, Klebematerial

Bevor es im nächsten Blogbeitrag um die Planung und Vorbereitung offener mathematischer Spiel- und Lernfelder geht, möchte ich dir gern ein Vertiefungsangebot vorschlagen:

  • Wenn du in einer Kita tätig bist: Vergleiche doch mal den Ansatz der offenen Spiel- und Lernfelder mit der klassische Angebotspädagogik (z.B. Alle Kinder malen zur gleichen Zeit ein Dreieck, ein Viereck und einen Kreis.).
  • Wenn du in der Grundschule tätig bist: Vergleiche doch mal den Ansatz der offenen Spiel- und Lernfelder mit frontalen Unterrichtsmethoden (z.B. Alle Kinder lösen zur gleichen Zeit die gleichen 20 Malaufgaben im Buch.)
  • Welche Schlussfolgerungen ergeben sich für dich im Kontext der eigenen pädagogischen Arbeit in bunt gemischten Gruppen in denen die Kinder ganz verschieden lernen?

Gern kannst du in der Zwischenzeit auch genauer nachlesen in:

Alle Kinder sind Matheforscher: Frühkindliche Begabungsförderung in heterogenen Gruppen

Ich bin schon sehr auf deine Fragen und Kommentare gespannt. Bis zum nächsten Mal wünsche ich dir eine gute Zeit mit vielen mathematischen Augenblicken,

Mandy Fuchs

Offene mathematische Spiel- und Lernfelder

Irgendwie merken wir Erwachsene täglich: Kinder lernen viel, Kinder lernen anders als wir früher gelernt haben, Kinder lernen verschieden und nicht jedes Kind lernt zur gleichen Zeit dasselbe. Veränderte Sichtweisen in Bezug auf dieses vielfältige Lernen von Kindern und die damit im Zusammenhang stehende neue Lernkultur führten auch in der aktuellen mathematikdidaktischen Diskussion der letzten Jahre zu einem Paradigmenwechsel. Auch Mathematiklernen wird als selbstgesteuerter Prozess verstanden, in dem das lernende Kind sein Wissen aktiv konstruiert und in sein vorhandenes Wissensnetz einbindet. Dies geschieht bereits von Geburt an und auf der Grundlage individueller Erfahrungen und in sozialer Interaktion sowie in Auseinandersetzung mit der Umwelt. Es kann folglich nicht mehr darum gehen, dass Denkweisen von uns Erwachsenen (egal ob als Eltern oder als Pädagogen) zu Lernpfaden für alle Kinder gemacht werden. Zudem zeigen sich sowohl im Elementar- als auch im Primarbereich veränderte Sichtweisen bezüglich der Lerninhalte: Es geht nicht mehr nur vordergründig darum Sach- und Fachwissen zu vermitteln und einzuüben, sondern um die Förderung allgemeiner Kompetenzen, wie z.B. Problemlösekompetenz oder die Freude am kreativen Denken, die vor allem wiederum neue mathematische Denk- und Handlungsweisen anregen. Konkret heißt dies, darüber nachzudenken, welche Ansätze und Konzepte zur Gestaltung mathematischer Bildung zeitgemäß sind. Deshalb möchte ich in den folgenden Blogbeiträgen eine entsprechende mathematikdidaktische Lernform vorstellen, nämlich die von uns konzipierten offenen mathematischen Spiel- und Lernfelder. Heute geht es speziell um die Spezifik dieser offenen Spiel- und Lernfelder. Die nächsten Blogbeiträge stehen dann unter folgenden Schwerpunkten:

Zur Spezifik offener Spiel- und Lernfelder

„Insofern sollten Konzeptionen elementaren mathematischen Lernens den Kindern die Gelegenheit geben, in geeigneten Situationen entdeckend, auf ihren eigenen Wegen und im Austausch mit anderen zu lernen.“ (Gasteiger 2010, S.105)

Ein solches Konzept, bei dem die Kinder aktiv-entdeckend und auf ihre eigene Weise sowie in Interaktion mit anderen Kindern und Erwachsenen die Welt der Mathematik erforschen und erkunden können, sind offene mathematische Spiel- und Lernfelder. Sie sind in erster Linie kindorientiert, d.h., dass jedes teilnehmende Kind sich entsprechend seinem individuellen Entwicklungs- und Lernstand sowie seinen speziellen Interessen bei der Bearbeitung eines ausgewählten Rahmenthemas, z.B. „Forschen mit Wäscheklammern“ oder „Sudokus selbst erstellen“, einbringen kann. Im Sinne des aktiv-entdeckenden Lernens bieten offene mathematische Spiel- und Lernfelder vielfältige Möglichkeiten für Entdeckungen und umfassen „naturgemäß“ unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Jedes teilnehmende Kind wirkt entsprechend seinen Voraussetzungen an eigenen oder gestellten Problemfindungen mit und hat die Chance ein Thema erfolgreich zu bearbeiten. Das gewählte Rahmenthema sollte deshalb möglichst:

  • die Neugier und das Interesse der teilnehmenden Kinder wecken,
  • einen leicht verständlichen Einstieg haben und
  • eine reichhaltige mathematische Substanz, inhaltliche Offenheit und Problemhaftigkeit bieten.

Dieser Ansatz entspricht der im Grundschulbereich immer mehr an Bedeutung gewinnenden Form der natürlichen Differenzierung.

Offene mathematische Spiel- und Lernfelder sind deshalb für eine individuelle und differenzierte mathematische Förderung von Kindern mit unterschiedlichen Lernausgangslagen und Lernwegen, vielfältigen Lerntypen und Lernbedürfnissen sowie ganz individuellen Begabungspotenzialen im Sinne eines inklusiven Lernansatzes sehr gut geeignet. Von Freispielsituationen im Kindergarten oder von sehr offenen Unterrichtsformen (z.B. Werkstattunterricht) grenzen sie sich dahingehend ab, dass die Lernbegleiter problemorientierte Aktivitäten zu einem Thema mit vorher bewusst ausgewähltem Material anregen. Idealerweise können die Kinder zwischen verschiedenen offenen Spiel- und Lernfeldern (auch aus anderen offenen Lernangeboten) wählen. Das Thema selbst sollte durch eine gewisse Komplexität gekennzeichnet sein und Möglichkeiten des bildungsbereichsübergreifenden Lernens bieten. Jedem Kind steht ausreichend Zeit zur individuellen Auseinandersetzung mit dem Material sowie mit eigenen und angeregten Fragestellungen zur Verfügung. Während sich mathematische Lernprozesse in Freispielphasen oder im Werkstattunterricht spontan aus den Handlungen und Ideen der Kinder entwickeln, werden sie in offenen Spiel- und Lernfeldern auf der Grundlage von Beobachtungen durch nicht einengende Anregungen, Impulse oder Problemstellungen initiiert. Solche offenen Lernformen sind durch eine Ausgewogenheit zwischen Lernen auf eigenen Wegen (Selbstbildung, Eigenkonstruktion) und Von- und Miteinanderlernen (soziale Interaktion, Ko-Konstruktion) gekennzeichnet. Der Auswahl geeigneter Materialien mit einem gewissen mathematischen Potential und einem hohen Aufforderungscharakter zum Forschen, Entdecken und Experimentieren kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu.

Geeignete Materialien mit mathematischem Potential:

  • Bausteine in verschiedenen Formen und Farben
  • Gleiches Material in großer Menge, z.B. je 1000 Eisbecher, Eislöffel, kleine Holzwürfel, 1-Cent-Münzen, …
  • Muggelsteine
  • Geobretter, Tangram, Pentominos (Fünflinge)
  • gemeinsam gesammelte Knöpfe, Wäscheklammern, Toilettenpapierrollen, Joghurtbecher, Schraubverschlüsse von Tetrapacks, Büroklammern, …
  • Legeplättchen in verschiedenen Formen und Farben (Dreiecke, Vierecke, Kreise)
  • Scheuerschwämme, Wattestäbchen
  • Verpackungsmaterialien (Eierkartons, Teeverpackungen)
  • Naturmaterialien (Nüsse, Kastanien, Steine, Muscheln, Zapfen, …)
  • Spielwürfel in verschiedenen Ausführungen

Oft sind es also ganz simple Alltagsmaterialien, die andere Menschen wegschmeißen. Sie entsprechen meiner Philosophie des Numeracy-Ansatzes und lassen sich oft mit den Kindern gemeinsam sammeln bzw. durch Eltern günstig beschaffen. Das tolle an diesen Materialien ist, dass sie oft den drei Kriterien EINFACH, BILLIG und GENIAL entsprechen.

Bevor es im nächsten Blogbeitrag um Merkmale offener mathematischer Spiel- und Lernfelder geht, möchte ich dir gern drei Vertiefungsangebote unterbreiten. Wenn du Lust hast, dann kannst du dich mit folgenden Dingen beschäftigen:

  • Erkunde, welches Material du bei dir zu Hause, in deiner Kita oder in deiner Grundschule zur Verfügung hast. Welches besondere mathematische Potenzial steckt in diesen Materialien? Also was alles könnte man damit erkunden?
  • Überlege gemeinsam mit deinen Kindern (zu Hause, in der Kita oder in der Grundschule), welche Haushaltsdinge und/oder Abfallprodukte ihr in der nächsten Zeit sammeln wollt, um damit mathematische Erkundungen und Entdeckungen durchführen zu können.
  • Welche Themen für offene mathematische Spiel- und Lernfelder ergeben sich aus deinen Beobachtungen der Kinder im Alltag (zu Hause, in der Kita oder in der Grundschule)?

Ich bin schon sehr auf deine Fragen und Kommentare gespannt. Bis zum nächsten Mal wünsche ich dir viel Freude und spannende Materialerkundungen,

Mandy Fuchs

Kinder sind Adler, keine Suppenhühner

Ich kann mir vorstellen, dass der Titel dieses Blogposts etwas ganz bestimmtes in dir auslöst: Als Mama hast du vielleicht ein Gefühl des Unbehagens („Warum sollte mein Kind denn ein Suppenhuhn sein?“) oder aber du findest diese Metapher gerade für dein Kind total passend („Ja genau, mein Kind soll wie ein Adler die Welt erobern!“). Wenn du als Pädagogin oder Pädagoge tätig bist, löst diese Überschrift vielleicht Neugier in dir aus und du bist gespannt welches Kindbild sich dahinter verbirgt. Ich habe dieses Zitat „Kinder sind Adler, keine Suppenhühner“ von Gerald Hüther in seinem Buch „Jedes Kind ist hochbegabt“ entdeckt und verwende es seither sehr gern, um meine Sicht auf Kinder zu beschreiben. Lass dich also in diesem Blogbeitrag inspirieren, egal ob du ihn als Mutter oder Vater oder als pädagogische Fachkraft oder als Lehrerin oder Lehrer liest. Und gern kannst du mir Fragen im Kommentar zu diesem Thema schicken, denn ich werde es immer wieder aufgreifen.

                                     

Stell dir einen sonnigen Nachmittag vor, Tom wird aus der Krippe abgeholt und er hatte einen tollen Tag, mit vielen Spielen und einer Unmenge neuen Sachen, die er entdeckt hat. Strahlend läuft er seiner Mama in die Arme und freut sich auf den Nachmittag mit ihr. An der Tür fragt Toms Mama die Erzieherin, was ihr Sohn denn heute gemacht hat. Die Erzieherin meint: „Wir haben Bausteine nach Farben sortiert aber Tom hat leider immer noch die roten Steine in die falschen Kisten gelegt. Das sollten Sie vielleicht in der nächsten Zeit noch mit ihm üben.“ Welche Auswirkungen mag diese Situation wohl auf den weiteren Nachmittag haben?

Oder schau mal hier: Der fünfjährige Paul spielt gerade im Garten. Da kommt seine neue Nachbarin mit ihrem Hund am Zaun vorbei. Aufgeregt läuft er ans Tor und ruft freudig: „Wie heißt dein Hund? Und wie heißt du denn? Wie alt bist du? Und dein Hund? Wohnt ihr jetzt auch hier? Was ist das für einer?“ Plötzlich taucht seine Mutter verlegen hinter ihm auf und meint energisch: „Paul lass die Frau in Ruhe, das macht man nicht!“ Siehst du auch den Paul, wie er ganz verstört ins Haus trottet?

Und noch ein Beispiel: Jule kommt aus der Kita und wendet sich besorgt an ihren Papa: „Papa, die Erde ist doch eine Kugel und ich hab Angst, dass wir da mal runter fallen!“ Der Papa wirkt ein wenig überrascht, dann antwortet er ganz lieb: „Aber Julchen, mach dir keine Sorgen, das musst du doch noch nicht wissen. Dafür bist du noch zu klein. Warte bis du zur Schule kommst.“ Kannst du mitfühlen, wie Jule den Kopf ganz traurig hängen lässt?

Na, hast du solche oder ähnliche Situationen selbst schon erlebt? Und mal ganz ehrlich: Wie oft hast DU derartige Sätze zu deinem Kind (oder zu den Kindern deiner Gruppe oder Klasse) gesagt: „Das macht man nicht! Dafür bist du noch zu klein. Das lernst du, wenn du in die Schule kommst. Hier müssen wir aber nochmal üben. Das macht man aber so! …“

Hast du eigentlich schon mal wirklich darüber nachgedacht mit welchen wunderbaren Eigenschaften unsere Kinder geboren werden? Nein? Na dann lies doch einmal ganz aufmerksam das Gedicht von Loris Malaguzzi:

Die hundert Sprachen des Kindes

Die Hundert gibt es doch

Das Kind besteht aus Hundert.
Hat hundert Sprachen
hundert Hände
hundert Gedanken
hundert Weisen
zu denken, zu spielen und zu sprechen

Hundert –
immer hundert Arten
zu hören, zu staunen und zu lieben.
Hundert heitere Arten
zu singen, zu begreifen
hundert Welten zu entdecken
hundert Welten frei zu erfinden
hundert Welten zu träumen.

Das Kind hat hundert Sprachen
und hundert und hundert und hundert.
Neunundneunzig davon aber
werden ihm gestohlen
weil Schule und Kultur
ihm den Kopf vom Körper trennen.

Sie sagen ihm:
Ohne Hände zu denken
ohne Kopf zu schaffen
zuzuhören und nicht zu sprechen.
Ohne Heiterkeit zu verstehen,
zu lieben und zu staunen
nur an Ostern und Weihnachten.

Sie sagen ihm:
Die Welt zu entdecken
die schon entdeckt ist.
Neunundneunzig von hundert
werden ihm gestohlen.

Sie sagen ihm:
Spiel und Arbeit
Wirklichkeit und Phantasie
Wissenschaft und Imagination
Himmel und Erde
Vernunft und Traum
seien Sachen, die nicht zusammen passen.
Sie sagen ihm kurz und bündig,
dass es keine Hundert gäbe.
Das Kind aber sagt:
Und ob es die Hundert gibt.

Loris Malaguzzi

Und ich schlage dir gleich eine kleine Übung vor:

  • Beobachte dein Kind (oder ein Kind deiner Gruppe oder Schulklasse) doch einfach mal für 10 bis 20 Minuten bei dem was es tut. Was siehst du?
  • Was macht das Kind? Wie macht es das? Was denkt es sich vielleicht dabei? Wie fühlt es sich wohl dabei? Warum tut es das gerade jetzt und gerade so?
  • Beobachte genau! Und bitte greif nicht ein, wenn du es besser wüsstest oder wenn es etwas ist, was du eigentlich nicht toll findest.

Sei ganz ehrlich, was fällt dir beim Beobachten von Kindern immer zuerst auf?

Oft sind es vor allem Begebenheiten, in denen wir nicht so ganz mit dem Verhalten mitgehen können, was die Kids zeigen, weil es uns peinlich ist, wie bei Paul. Oder es sind meist die Dinge, die Kinder noch nicht so richtig bewältigen, bei denen sie noch, wie Tom, Hilfe benötigen. Stimmt’s? Situationen, in denen wir Erwachsenen ihnen zeigen wollen, wie es richtig oder besser geht. Oder wir meinen dafür wären sie noch zu klein, wie die Jule. Das würden sie unserer Meinung nach noch nicht können oder verstehen. Schlimmstenfalls nehmen wir ihnen das gerade aufgetauchte Problem sogar ab und tun es selbst. Oh ja und wir merken es nicht einmal! Na ertappt?

Ein solcher Blick auf das Kind wird in der pädagogischen Fachliteratur häufig als defizitäres oder sich an den Schwächen des Kindes orientiertes Kindbild beschrieben. Es beruht auf einer Sichtweise, die meint, dass Kinder in einem bestimmten Alter etwas ganz Bestimmtes können müssten. Man schaut dann, was von dem kann das Kind noch nicht. In diesem Fall hieße die Lösung: Wir Erwachsenen bringen dem Kind dann genau das bei oder vermitteln (was für ein gruseliges Wort) ihm, wie es richtig geht und dann üben wir es ein. Bis es hoffentlich klappt. Bis das Kind es allein und vor allem fehlerfrei genau nach dem Vorbild der Erwachsenen kann. Meist soll das Kind dann auch an Förder-, Kurs- oder Trainingsprogrammen teilnehmen.

Ja aber mal ehrlich: Ist es für dich als Mama oder Papa nicht beruhigend zu wissen, wann genau ein Kind was können muss oder lernen sollte? Das macht Kinder doch so gut vergleichbar! Und du bist schon ein bisschen stolz, wenn dein Liebling früher aufs Töpfchen geht als der Sohnemann deiner Kollegin oder wenn dein Kind bereits erste Buchstaben kennt, obwohl es noch nicht zur Schule geht, stimmt’s? Na ich merke schon, du hast meine leichte Ironie durchschaut.

Mit einem solchen Kindbild verbunden sind in der Regel auch Glaubenssätze aus der eigenen Biografie, im Sinne von „Das macht man so!“. Geprägt von unseren Erfahrungen und gelebten Traditionen aus der persönlichen Kindheit übertragen wir diese unbewusst auf unsere Kindererziehung. Ganz egal, ob wir Eltern oder Pädagogen sind! Wie entscheidend eine Reflexion dessen sein kann, werden wir in einem späteren Blogbeitrag genauer betrachten. Sei gespannt!

Malaguzzi und viele andere Pädagogen, zu denen ich mich auch zähle, Erziehungswissenschaftler, Hirnforscher und Psychologen wenden sich gegen ein solches Bild vom Kind, das Defizite festschreibt, um sie dann mithilfe gezielter Förderung auszugleichen. Wir pressen Kinder auch nicht in vorgegebene Entwicklungsraster. Und wir „deckeln“ sie auch nicht! Du fragst dich jetzt sicher, welchen Blick auf Kinder es noch gibt. Genau die richtige Frage! Lass uns einmal gemeinsam drauf schauen!

Kinder sind mit genau dem Gehirn ausgestattet, welches sie brauchen, um unsere Welt zu entdecken und um all das zu lernen, worauf es im Leben ankommt. Kinder sind von Geburt an aktive und kreative Gestalter ihrer Entwicklung und ihrer Beziehungen zur Umwelt. In seinem Gedicht nutzt Malaguzzi „die hundert Sprachen des Kindes“ als Metapher für die vielfältigen Aneignungs- und Ausdrucksmöglichkeiten des Kindes. Sie nutzen ihre Hände, ihren gesamten Körper, verschiedene Gegenstände, Werkzeuge, Materialien, Symbole oder auch Musik, um zu kommunizieren, sich auszudrücken und um sich die Welt mit allen Sinnen anzueignen.

Lass uns an dieser Stelle also schon einmal festhalten: Kinder sind vielfältige Forscher und Weltentdecker und sie haben folglich auch ein Recht darauf, ihre schöpferischen Ideen umzusetzen und eigene Erkenntnisse zu sammeln.

Wichtig ist hierbei also vor allem eins, was du für dein Kind (bzw. die Kinder deiner Gruppe oder Schulklasse) bereit halten solltest, nämlich eine entsprechende Umgebung, in der es wie ein kleiner Adler aufwachsen kann. Diese ist erfüllt von Liebe, Zuneigung, Offenheit, Vertrauen, Zuversicht, Achtsamkeit und genügend Freiraum. Kinder spüren genau, wenn sie so angenommen werden wie sie sind und auch genauso sein dürfen. Bitte verstehe dies nicht falsch. Ich meine hier nicht, dass Kinder alles allein entscheiden sollen oder dürfen. Damit wären sie überfordert. Auch geht es nicht darum, dass sie immer alles das tun können, was sie möchten oder durch Konsum und materielle Verwöhnung ein verzerrtes Bild vom Leben erfahren. Nein, gemeint ist, dass du stets neugierig schaust, wie Kinder Probleme lösen, dass du wertschätzend und auf Augenhöhe gemeinsam mit ihnen die Welt immer wieder (neu) entdeckst, dich auf ihre (auch scheinbar verrückten) Ideen einlässt und so auch von ihnen lernen kannst.

Hüther erzählt in diesem Zusammenhang gern über die Studie mit den südamerikanischen Hauseseln: Hirnforscher führten vor vielen Jahren eine Untersuchung durch. Sie verglichen die Größe der Gehirne von Hauseseln. Eine Gruppe der Esel wuchs im Stall beim Bauern auf. Die andere Gruppe hatte ein Loch im Zaun gefunden, schloss sich einer frei lebenden verwilderten Hauseselherde an und wuchs unter diesen Bedingungen auf. Kannst du dir denken, welche Esel am Ende über ein hoch vernetztes, komplexes Eselsgehirn verfügten? Es waren nicht die Esel, die beim Bauern im Stall aufgewachsen sind! Noch Fragen? Was lehrt dich das?

Die Mama von Tom sollte sich also von der Information der Erzieherin (Wie hättest du eigentlich als Erzieherin von Tom reagiert?) nicht aus der Ruhe bringen lassen. Vielleicht hatte Tom eine ganz kreative Idee, die roten Bausteine jeweils in die anderen Kisten einzuordnen. Das könnten z.B. die Feuerwehren sein, die in den anderen Kisten aufpassen sollten, dass es nicht brennt. Wer weiß!  – Aber: Die Chance auf einen schönen gemeinsamen Nachmittag wäre durch ein stumpfes „Farbenüben“ vertan. Vielmehr hätten sowohl Tom als auch seine Mama schlechte Laune bekommen, was wiederum dazu beitragen würde, die Bindung zwischen den beiden zu verschlechtern, eventuell bis hin zu einen Vertrauensbruch. Bei Paul war es ähnlich: Er hat in seiner fröhlich aufgeschlossenen Art ganz unkompliziert Kontakt zur neuen Nachbarin aufgenommen. Ein Verhalten, das unbedingt hätte bestärkt werden sollen, denn von einer solchen enormen sozialen Kompetenz hätte sogar die Mutter profitieren können, indem sie die Nachbarin auf einen Kaffee hätte einladen können. Der erste Schritt war durch Paul doch getan. So aber hat sie ihren Sohn enorm verunsichert. Und Jule ist absolut nicht zu jung für das aufgeworfene Problem mit unserer Erdkugel. Wenn sie ein solches Thema interessiert, darf sie nicht auf später vertröstet werden, denn vermutlich wird dies in der Schule erst nach vielen Jahren thematisiert werden. Bis dahin hat sie das Interesse daran sicher verloren. Ein solches (Zeit-)Verschieben von scheinbar nicht altersgerechten Themen führt in der Regel dazu, dass Kinder uns Erwachsene immer seltener in ihre Gedankenwelt einbeziehen. Denn immer nur zu erfahren, dass sie dafür noch zu klein wären, vertieft nicht die Lust am Erforschen von Phänomenen der Welt. Eine geschickte Möglichkeit von Erwachsenen ist in solchen Situationen folgendes Vorgehen: 1. Die Frage des Kindes würdigen, z.B. „Mh, das ist eine gute Frage!“, 2. Eine eigene Vermutung aufstellen, z.B. „Ich denke das hat mit der Erdanziehungskraft zu tun.“, 3. Die Frage zurück geben, z.B. „Und was denkst du?“. 4. Dem Problem gemeinsam auf die Spur gehen. Dies zeigt, dass der Erwachsene das Kind ernst nimmt und wertschätzt, ihm auf Augenhöhe begegnet und mit Neugier in eine spannende Interaktion geht. Oft ist es so, wenn Kinder derartige Fragen stellen, haben sie sich selbst bereits Gedanken darüber gemacht und wollen unsere Meinung bzw. Bestätigung erfahren.

Mein Fazit für heute: Kinder benötigen Freiräume, um sich zu entfalten und um auf Entdeckungsreisen gehen zu können. Sie wollen ihre „Schwingen ausbreiten“ und auf ihre Art und Weise die Welt erobern. Dazu brauchen sie eine Umwelt, die genau das für sie bereit hält. Und hierzu gehören vor allem starke Eltern und gute Kitas und Schulen, denn

Kinder wollen artig sein:

GROSS-artig,

ANDERS-artig,

EINZIG -artig!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herzlich Willkommen

Ich habe schon länger die Idee einen eigenen Blog zu starten, denn ich möchte gern meine Botschaften, Visionen, Gedanken und Ideen mit anderen interessierten und vor allem offenen, bewussten, starken, achtsamen und klaren Menschen, also mit Menschen wie dir teilen. Deshalb freue ich mich, dass du hierher gefunden hast und bedanke mich schon jetzt bei dir für deine Lebenszeit, die du mir schenkst, indem du meine Beiträge liest, über das ein oder andere nachdenkst und vielleicht sogar selbst etwas davon ausprobierst.

Eine kurze Anmerkung zum „Du“: Normalerweise besteht zwischen dem Autor und dem Leser eine ganz natürliche Distanz. Wir kennen uns in der Regel ja nicht. Diese Distanz möchte ich mit dem „Du“ gern überbrücken, denn ich möchte dass du dich persönlich und ganz direkt angesprochen fühlst. Noch dazu glaube ich, dass meine Botschaften in deinem Inneren so viel klarer ankommen können, als wenn ich das förmliche „Sie“ verwenden würde. Also fühl dich herzlich eingeladen mir zu folgen.

Mandy Fuchs

Der Zauber des Anfangs

Worum soll es eigentlich gehen? Ich möchte verschiedene Themen aufgreifen, aber immer wird es letztendlich um unsere Kinder und deren Potenzialentfaltung gehen. Kinder benötigen Freiräume, um sich zu entfalten und um auf Entdeckungsreisen gehen zu können. Sie wollen ihre „Schwingen ausbreiten“ und auf ihre Art und Weise die Welt erobern. Dazu brauchen sie eine Umwelt, die genau das für sie bereit hält. Und hierzu gehören vor allem starke Eltern und gute Kitas und Schulen. Also geht es innerhalb meines Blogs um unsere Rolle als Erwachsene, die wir Kinder begleiten, egal ob als Eltern, Erzieherinnen, Lehrerinnen oder Großeltern (Schon gleich an dieser Stelle der wichtige Hinweis: Bitte verstehe es nicht falsch, wenn ich der Lesbarkeit halber entweder nur die weibliche oder die männliche Form verwende. Ich meine natürlich immer beide Geschlechter.).

Die einzelnen Blogbeiträge sollen anregen, wie wir Erwachsenen trotz diverser Unsicherheiten und vermeintlich widersprüchlicher Möglichkeiten durch die Vielfalt der heutigen Gesellschaft und trotz des leider nicht immer gut funktionierenden Bildungssystems mit einer „professionellen Gelassenheit“ für unsere Kinder da sein können und ihnen durch Wertschätzung, Vertrauen und Liebe aber vor allem durch eigene Klarheit und Achtsamkeit all das geben, damit sie wie kleine glückliche Adler die Welt entdecken und ihre Potenziale zum Strahlen bringen können.

Die Auffassungen, wie Bildung und Erziehung heute sein sollte, könnten gegensätzlicher kaum sein. Die momentanen Spannungsfelder innerhalb der aktuellen Bildungsdebatte sind sogar besorgniserregend: Einerseits gibt es wegweisende Erkenntnisse der Hirnforschung, der Entwicklungspsychologie und der Pädagogik darüber, wie Lernen und Bildung aus der Sicht von Vielfalt und Verschiedenheit heute gestaltet werden sollten, so dass jedes Kind seine angeborenen Begabungen entfalten kann. Andererseits jedoch fällt es schwer bzw. gelingt es nur selten, das theoretische Wissen im (Bildungs)Alltag umzusetzen. Noch immer beherrschen Unsicherheiten, Unverständnis, Angst, Scham, Macht und Druck sowie eingeengtes Denken viele Lern- und Lebensorte. Die Gründe hierfür sind komplex: sie umfassen lang gelebte Traditionen, gesamtgesellschaftliche Wandlungsprozesse, finanzielle Ressourcenknappheit, widersinnige bildungspolitische Gesetzesvorgaben, Missverständnisse bezüglich der umzusetzenden Bildungskonzepte und vor allem auch die eigenen biografischen Erfahrungen von Erwachsenen, aus denen sich Einstellungen und Haltungen manifestieren. Diese Dilemmata werden innerhalb der Blogbeiträge immer wieder aufgezeigt. Ich möchte alle Menschen, die diese Beiträge lesen stärken und bestärken, vielleicht auch wachrütteln, immer aber begeistern und aktivieren. Ich möchte dir ganz persönlich Mut machen und dich anregen zu hinterfragen, eigene Glaubenssätze zu reflektieren, Bestehendes infrage zu stellen und immer dabei auszuloten, durch welche bereits geöffneten Türen es lohnt hinauszutreten, um Neuem zu begegnen – getreu dem Grundsatz: Die Klarheit über die Vision des eigenen Lebens bringt Sicherheit und Gelassenheit in der Begleitung unserer Kinder.

Mit meinem Blog verfolge ich also drei Ideen:

  1. Es gibt Beiträge zur Inspiration für alle, die mit Kindern leben, lernen und sie auf ihrem Weg durchs Leben begleiten und dafür sorgen dürfen, dass sie ihre Potenziale bestmöglich entfalten können.
  2. Ich werde vielfältige praktische Beispiele zur Umsetzung einer neuen Lernkultur in Kitas und Grundschulen vorstellen. Meiner eigenen mathematischen Leidenschaft und meiner persönlichen Berufung folgend, werden es viele Beispiele aus dem (nicht bei allen geliebten) Bereich der Mathematik sein. Lass dich überraschen! Lass dich drauf ein, auch wenn oder gerade weil du mit Mathematik eher keine positiven Gefühle verbindest!
  3. Und es wird vielfältige praktische Beispiele für Eltern zur mathematischen Potenzialentfaltung (nicht nur ihrer Kinder) im Familienalltag und im Spiel geben.

Viel Freude beim Lesen,

Mandy Fuchs