Kindbild

Kinder wollen artig sein:

GROSS-artig,

ANDERS-artig,

EINZIG -artig!

Genau mit diesen Worten wird meine Sicht auf Kinder deutlich: Kinder sind großartige Forscher und Weltentdecker. Sie wollen ihre eigenen schöpferischen Ideen umsetzen und all ihre Erkenntnisse selbst sammeln. Sie kommen neugierig und wissenshungrig auf die Welt, sind mit lebenswichtigen Fähigkeiten ausgestattet und von Beginn an beziehungsfähig. Kinder setzten all ihre Energie ein, um ihren Hunger auf Entdeckungen und neue Erfahrungen zu stillen. In den ersten Lebensjahren erwerben Kinder die wichtigsten Denkstrukturen, die sie für ihr gesamtes späteres Leben brauchen. Dabei lernen sie vor allem durch eigenes selbständiges Tun und Handeln in einem anregenden Umfeld und in der Interaktion mit anderen Kindern und mit Erwachsenen, die gemeinsam mit ihnen spielen und forschen. Besonders nachhaltig ist dieses Lernen, wenn wir ihr direktes und emotionales Interesse aufgreifen und ihre Lernprozesse auf einfühlsame Weise begleiten.

Ein solcher Blick auf Kinder meint, dass jedes Kind seine Welt selbst in sozialer Interaktion mit anderen konstruiert. Jedes Kind ist also aktiver Konstrukteur seiner Welt. Es möchte lernen und seine Umwelt erforschen, um seinem Bedürfnis nach Erleben von Kompetenz und Wirksamkeit, nach Autonomie und Selbstbestimmung nachzugehen. Das Lernen liegt demnach vor allem auch in der Verantwortung des Kindes, welches sich als kompetenter Akteur von Geburt an autonom mit seiner Umwelt auseinandersetzt. Hierbei nutzt es seine vielfältigen Aneignungs- und Ausdrucksmöglichkeiten und seine ganz individuellen Potenziale. Kinder nutzen ihre Hände, ihren gesamten Körper, verschiedene Gegenstände, Werkzeuge, Materialien, Symbole, ihre Sprache oder auch Musik, um zu kommunizieren, sich auszudrücken und um sich die Welt mit allen Sinnen anzueignen.

Heute wird stärker denn je auf das kompetente Kind verwiesen, welches bereits etwas kann und seine Entwicklung intensiv mitbestimmt. Dass die Entwicklungsprozesse in soziale Prozesse sowie in einen kulturellen Kontext eingebunden sind, ist in dieser Diskussion unstrittig. Im Gegenteil: Die soziale Dimension des Aufwachsens von Kindern wird ganz besonders betont: Niemand kann in Isolation leben und heranwachsen, Kinder brauchen Bindungspersonen und Gemeinschaften, in denen sie sich wohl und aufgehoben fühlen, denn ohne Bindung kann keine Bildung stattfinden.

Kinder sind von Geburt an nicht so hilflos wie man lange Zeit angenommen hat, sondern so ausgestattet, dass sie sich durch sinnliche Erfahrungen ein eigenes Bild von der Welt machen können. Ausgangspunkt der kindlichen Welterforschung sind deshalb in aller erster Linie Körpererfahrungen: Kinder wollen mit allen Sinnen lernen, die Welt „begreifen“ und ihren Bewegungsdrang ausleben. Hinzu kommt der Antrieb zur Nachahmung: Kinder beobachten und machen nach, sie brauchen also Vorbilder an denen sie sich orientieren können. Und dann ist da noch der unaufschiebbare Drang zur Selbständigkeit: Kinder fühlen sich unwohl und missverstanden, wenn ihnen alles abgenommen wird. Kinder wollen und dürfen Selbsterfahrungen sammeln und Selbstwirksamkeit erleben, sie brauchen deshalb Herausforderungen, an denen sie wachsen können.

Damit ein Kind sich also großartig, andersartig und einzigartig fühlen kann, sind zwei Dinge ganz entscheidend: zum einen wollen sich Kinder frei und autonom entfalten, die Welt entdecken und ihren Forschergeist befriedigen und zum anderen wollen sie dazugehören, geliebt werden und mit anderen verbunden sein.

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