Fidget Spinner – mitspielen, verbieten oder ihr Potenzial nutzen?

Was haben denn Fidget Spinner mit Pädagogik zu tun? Und warum muss man denn dazu nun auch noch einen Blogartikel schreiben? Gibt es etwa einen zusätzlichen Nutzen neben der Spielidee, die hinter Fidget Spinnern steckt? Meine Antworten dazu erfahrt ihr hier in meinem neuen Beitrag.

Einige von euch sind jetzt vielleicht genervt und denken sich „Mensch, schon wieder so ein Hype! Muss ich das denn auch wieder mitmachen?“ Meine Antwort lautet klar und deutlich: Nein, musst du nicht! Aber wenn du dich kritisch konstruktiv mit dem Thema Fidget Spinner auseinander setzt und wenn du sowohl das mögliche Potenzial beleuchtest als auch über eventuelle Gefahren oder Risiken nachdenkst, dann kannst du für dich selbst gut abwägen, was es für dich und vor allem für deine Kinder bringt (oder auch nicht). Also: Du hast immer die Wahl! Und du kannst es selbst entscheiden.

Also sind wir schon genau bei der ersten Frage angekommen: Was haben Fidget Spinner mit Pädagogik zu tun?

  1. Auf den ersten Blick nicht viel. Aber schon dann, wenn du über die Wortbedeutung nachdenkst, kommen wir der Sache möglicherweise bereits näher: „fidget“ bedeutet zappeln oder nervös sein. Und „to spin“ bedeutet drehen, wirbeln, trudeln. Man könnte Fidget Spinner mit Handkreisel übersetzen. Im digitalen Netz kann man dazu lesen, dass sie ursprünglich zu therapeutischen Behandlungen bei Nervosität und Aufmerksamkeitsstörungen eingesetzt werden sollten. Hierzu gibt es jedoch wohl keine seriösen Untersuchungen, die das belegen. Also schauen wir weiter.
  2. Innerhalb sozialer Netzwerke wird ziemlich heftig diskutiert, ob die Handkreisel nun in Bildungseinrichtungen (vor allem in Kitas und Schulen) verboten oder ihr Gebrauch eingeschränkt werden sollte. Allein diese Frage ist pädagogischer Natur. Auch das Nachdenken darüber, wie sinnvoll oder sinnlos diese „Dinger“ im Kontext von Schule und co. sind, ist pädagogisch.
  3. Ein Fidget Spinner ist und bleibt ein Ding zum Spielen! Und die enorme Bedeutung des Spiels wird in der Pädagogik sehr stark diskutiert.

Ja und weil mich vor allem die Potenziale, also die Chancen, die in den Fidget Spinnern möglicherweise stecken besonders interessieren, habe ich mir darüber weiter Gedanken gemacht. Denn eins steht fest: Die Kinder lieben Fidget Spinner und die Kinder haben Fidget Spinner. Jedenfalls viele von ihnen. Deshalb erscheint es mir sinnvoll, nicht zuerst über Verbote nachzudenken sondern darüber, wie ich die enorme Motivation für diesen Handkreisel konstruktiv nutzen kann. Denn schauen wir mal genau hin, erste auffallende Vorteile liegen doch klar auf der Hand:

  • Es ist ein analoges Spielzeug (also nichts aus der digitalen Medienwelt), was die Kinder in echten sozialen Interaktion mit anderen nutzen.
  • Durch das Drehen des Kreisels fördern die Kinder im Spiel ihre Feinmotorik. (Hast du es schon mal einhändig probiert, den Fidget Spinner in Gang zu bekommen? Viel Erfolg!)
  • Auch die Tricks, die sie sich gegenseitig damit vorführen, liegen im Bereich der Bewegung und Motorik, egal wie skurril uns manche Aktionen erscheinen.
  • Und weil es ja meist darum geht, wessen Spin am längsten dauert, fördert so ein Fidget Spinner ganz nebenbei die Ausdauer und Konzentration. (Ein Junge berichtete mir ganz stolz, dass sein Rekord bei über 5 Minuten liegt! Rekordverdächtig erscheint mir hierbei das ausdauernde und konzentrierte Zuschauen und Beobachten!)
  • Natürlich haben nicht alle Kinder so einen fertigen Fidget Spinner und sie finden es total cool, sich ihren eigenen Handkreisel zu basteln bzw. herzustellen. Deshalb gibt es natürlich bereits zahlreiche kreative Ideen im Netz zu finden, wie und womit ihr mit den Kids solche Teile bauen oder herstellen könnt. Und genau das sehe ich auch als einen großen Pluspunkt für Fidget Spinner: Selber machen! Und damit spielen!

Ja und nun wartet ihr natürlich gespannt darauf, was ich als mathematikbegeisterte Fachfrau zum mathematischen Potenzial von Fidget Spinnern zu sagen habe. Stimmts? Und wahrscheinlich auch auf Ideen, wie ihr mit euren kleineren und größeren Matheforschern die Handkreisel sinnvoll nutzen könnt. Na gut!

Welches mathematische Potenzial steckt im Forschen und Entdecken mit Fidget Spinnern?

  • Fidget Spinner leisten einen Beitrag zur Förderung des konzentrierten Vergleichens und genauen Messens von Zeitdauern.
  • Sie entwickeln bei Matheforschern Größenvorstellungen und ein Zeitgefühl.
  • Handkreisel fördern den Umgang mit Messgeräten für Zeitdauern (z.B. Sanduhr, klassische Stoppuhr, Stoppuhr im Smartphone, Analoguhr mit Sekundenzeiger)
  • Matheforscher erkennen funktionale Zusammenhänge (Drehzeit und Anschwung).
  • Sie können Daten (Zeitdauer der Spins) ermitteln und diese in Tabellen, Schaubildern und Diagrammen darstellen.
  • Wenn der Fidget Spinner als „Glücksrad“ genutzt wird, entwickelt sich ein erstes Gefühl für Zufälle und Wahrscheinlichkeiten.

Welche Materialien und Lernmittel braucht ihr?

  • verschiedenste Fidget Spinner (können die Kinder von zu Hause mitbringen oder selbst herstellen)
  • Messgeräte zum Ermitteln von Zeitdauern, z.B. klassische Stoppuhr, Analoguhr mit Sekundenzeiger, Stoppuhr im Smartphon, …
  • verschiedene Sanduhren
  • Vorlagen aus dem Material für die Kita (hier) und für die Grundschule bis Klasse 6 (hier)

Wie kann der Ablauf eines offenen und spielerischen Forscherangebotes in der Kita oder einer Forscherstunde in der Grundschule mit Fidget Spinnern gestaltet werden?

  1. Einstiegsphase
  • über individuelle Vorerfahrungen der Kinder mit Fidget Spinnern sprechen
  • Kinder können mitgebrachte Fidget Spinner und Tricks mit ihnen zeigen und damit kurz gemeinsam spielen
  • mit Grundschulkindern auch über Besonderheiten der Wortbedeutung (fidget = Unruhe/Zappelphillip; to spin = wirbeln/kreiseln => Handkreisel) und der Bauweise (Kugellager, Flügel mit Gewichten) sprechen
  1. Forscherphase
  • Fidget Spinner zum Bearbeiten von Forscherfragen nutzen (siehe unten)
  • Vergleichen von Drehzeiten der Fidget Spinner untereinander und mit der Zeitdauer von verschiedenen Sanduhren (Achtung: Startkommando geben!)
  • beim „Glücksrad-Spiel“ einen „Flügel“ des Fidget Spinners markieren; über Zufälle sprechen
  • Nutzen der Vorlagen zur Dokumentation (Hinweis: Beim „Mathematikspiel“ können kleine Bilder dazu gemalt werden, damit die Kinder, die noch nicht lesen können, das Spiel allein spielen können.)
  • mit Grundschulkindern gemeinsam erkunden, wie Durchschnittswerte berechnet werden (Achtung bei Zeitwerten ist das nicht so ganz einfach!)
  1. Präsentations- und Auswertungsphase
  • Zusammentragen aller Forscherergebnisse, Gespräch über die Entdeckungen der Kinder

Welche Forscherfragen bzw. Impulse regen die Kinder an?

  • Welcher Fidget Spinner dreht sich am längsten? Vergleicht miteinander.
  • Wie lange drehen sich eure Fidget Spinner? (Schätzt zuerst!)
  • Messt eure Spinns. Tragt die Zeitdauer der Spins in eine Tabelle und in ein Diagramm ein. Was stellt ihr fest?
  • Welche Fidget Spinner drehen sich etwa so lange wie der Sand in einer Sanduhr durchläuft?
  • Wer kann den Fidget Spinner so anschubsen, dass er sich etwa 1 Minute (30 Sekunden, …) dreht?
  • Wie kann man Fidget Spinner als „Glücksrad“ nutzen?
  • Male für jeden „Zahlentreffer“ ein Kästchen aus.
  • Erfinde ein eigenes Fidget-Spinner-Glücksrad-Spiel.
  • Wie lange drehen sich eure Fidget Spinner im Durchschnitt?

Hier seht ihr ein paar Eindrücke aus den Forscherstunden mit meinen Kindern:

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Zwei 6-jährige Jungen aus der Kita haben den Fidget Spinner als „Glücksrad“ genutzt. Sie haben den Spinner gedreht und immer ein Kästchen für die Zahl ausgemalt, auf die die Markierung gezeigt hat. Da die beiden Matheasse bereits super gern und erfolgreich rechnen können, haben sie nach 10 Spins ihre Punkte zusammengezählt. Endstand: 34 zu 44!

IMG_3512  IMG_3513

Hier seht ihr ein „Glücksradspiel“ für Grundschulkinder. Auch hier gab es Punkte und wir haben über erste Erfahrungen mit Zufällen und Wahrscheinlichkeiten gesprochen. Toll fanden die Kinder, dass sie je Spielfeld unterschiedlich viele Punkte bekommen konnten.

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Viel Ausdauer hatten die Matheforscher auch beim Erfassen der Drehzeiten ihrer Fidget Spinner. Wichtig war hier, zunächst eine Drehzeit zu schätzen, dann in 10 Runden immer den gleichen Spinner und die gleiche Technik zu nutzen und dabei auch auf mögliche Fehler zu achten. Die passierten den Kindern relativ oft, wenn sie z.B. mit einem Finger angestoßen haben oder beim Anschubsen abgerutscht sind. Eine Herausforderung war am Ende das Berechnen der Durchschnittswerte. Unsere Strategie war: zunächst alle Angaben in Sekunden umzuwandeln, dann alle 10 Angaben zusammen zu addieren, durch 10 zu teilen und dieses Ergebnis wieder in Minuten und Sekunden zurück zu wandeln. Da wir zum Stoppen der Zeiten das Smartphone genutzt haben, durften die Kinder auch den Taschenrechner des Smartphones nutzen, denn es ging hier diesmal eher darum eine geeignete Strategie für die Durchschnittsberechnung zu finden, als um das korrekte Rechnen. Anschließend haben die Kids ihre Drehzeiten in ein Diagramm eingetragen und hierbei die Skala der Zeitachse selbst festgelegt. Beim nächsten Mal wollen wir ein eigenes „Fidget-Spinner-Glücksrad-Spiel“ erfinden und Rekorde beim „Spinnen“ ermitteln.

Ja und genau deshalb wollte ich diesen Blogartikel für euch schreiben, zur Inspiration, zur Reflektion und zum selbst Ausprobieren! Fröhliches Spinnen!!!

Eure Mandy Fuchs

Hier nochmal die Materiallinks:

Kitamaterial (auch für Klasse 1 geeignet)

Grundschulmaterial (Klasse 2 bis 6) 

 

 

6 Kommentare zu “Fidget Spinner – mitspielen, verbieten oder ihr Potenzial nutzen?”

  1. Vielen Dank für den Blog, sehr interessant und lesenswert. Was für Möglichkeiten bietet der Fidged Spinner für Erwachsene, ausser sich auch mal auf sich zu konzentrieren und wie beim Joggen abzuschalten?
    LG Daniel Grund

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    1. Erwachsene können sich gut von Kindern inspirieren und anstecken lassen. Die Kids haben so viele kreative Ideen zu Tricks mit den Fidget Spinnern. Einfach drauf einlassen und mitmachen!
      Herzliche Grüße MF

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  2. Hallo Frau Dr. Fuchs
    vielen, vielen Dank für die immer super aktuellen Praxisideen.
    Das Team der Kita Mischka und unsere Kinder sind immer wieder begeistert.Ganz liebe Grüße von uns.
    Wir sind schon gespannt auf Ihre nächsten Arbeiten.

    Gefällt 1 Person

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