Raum: Lebensraum, Freiraum, Lernraum, Wohlfühlraum

Räume sind Aushängeschilder einer gelebten Kultur, einer Lebens- bzw. Bildungsphilosophie und spiegeln Auffassungen, Haltungen und Einstellungen der Menschen wider, die darin leben und mit Kindern ihre Zeit verbringen. Dies gilt sowohl für Kitas und Grundschulen (also pädagogische Einrichtungen) als auch für private Wohnumgebungen. Wenn Kinder spielen, lernen und sich bilden ist dies immer an spezifische Situationen und an konkrete Orte gekoppelt. Diese lassen sich auch als anregende Lernumgebungen oder materiell räumliche Lernwelten bezeichnen. In den kommenden Blogbeiträgen soll es deshalb darum gehen, wie diese Lernwelten gestaltet werden können. Zunächst wird es um die Raumgestaltung im pädagogischen Kontext gehen, was jedoch nicht ausschließt, die eine oder andere Ideen auch auf das häusliche Umfeld zu übertragen.

Was erwartet dich also demnächst hier im Blog? Es wird mehrere Beiträge mit folgenden Inhalten geben:

  • Der Raum als dritter Erzieher
  • Raum und Sinneserfahrungen
  • Der Zusammenhang von Raum und Spiel
  • Entwicklungsförderung und Raumgestaltung
  • Eine Mathewerkstatt einrichten
  • Raumkonzepte entwickeln
  • Ein Kinderzimmer für kleine Weltentdecker

Ich werde die Beiträge oft so gestalten, dass sie immer für beide Einrichtungen interessant sind: für Kitas und für Grundschulen. Die konkreten Praxisbeispiele kommen – meiner Leidenschaft geschuldet – meist aus der Welt der Mathematik, können aber leicht auf andere Fächer bzw. Bildungsbereiche übertragen werden. Ja und wer weiß, vielleicht bekommt ihr als Leser ja Lust die weiteren Beiträge mitzugestalten. Schickt mir also gern eure Ideen und auch Fotos von euren Lern- und Wohlfühlorten.

Parallel zu den einzelnen Blogbeiträgen werde ich meine bereits begonnene Materialsammlung weiterentwickeln. Schau also immer mal wieder im linken Menü unter folgenden Punkten:

Also los geht’s! Die Frage der Raumgestaltung ist aus meiner Sicht immer eine didaktische Frage und steht in einem engen Zusammenhang mit dem Bildungsverständnis derjenigen, die sie arrangieren. Das momentan aktuell diskutierte Bildungsverständnis im Elementar- und Primarbereich lässt sich durch folgende Aussagen zusammenfassend so beschreiben:

  • Bildung beginnt mit der Geburt.
  • Bildung ist ein lebenslanger eigenaktiver Prozess.
  • Bildung unterliegt inneren und äußeren Einflüssen.
  • Bildungsprozesse sind stets individuell, ganzheitlich und komplex.
  • Bildung soll sich in einer Erziehungspartnerschaft mit den Eltern und Familien der Kinder vollziehen.
  • Der natürliche und sozio-kulturelle Nahraum der Einrichtung ist als Bildungsort zu verstehen, der wertvolle Lernerfahrungen für die Kinder bietet.

Dies bedeutet, dass Kindertagesstätten und Grundschulen sowie ihre jeweiligen Umgebungen zu Lern- und Bildungsorten für Kinder werden. Durch die bewusste Gestaltung und Nutzung dieser räumlichen Umwelten können erwachsene Lernbegleiter gezielt Einfluss nehmen auf individuelle und ganz verschiedene frühkindliche Entwicklungs-, Bildungs- und Lernprozesse. Denn jedes Kind lernt anders!

Raumgestaltung steht in einem unerlässlichen Zusammenhang mit pädagogischen Zielen und Prinzipien und somit immer mit der jeweiligen Konzeption der Einrichtung. Es kann demzufolge keine allgemeingültige und idealtypische Raumgestaltung geben, sondern diese unterliegt einem stetigen Wandel und bedarf der permanenten kritischen Reflexion. Dennoch lassen sich gewisse Grundprinzipien einer am Kind orientierten Raumgestaltung zusammenfassen:

  • Strukturen und Ordnung einer vorbereiteten Umgebung,
  • Nutzung des Aufforderungscharakters von Materialien,
  • Bedeutung ästhetischer Gestaltung und Präsentation und
  • Recht des Kindes auf eigenaktive Raumaneignung und –(um)gestaltung.

„Verstehen wir Bildung als Selbstbildung, so brauchen Kinder soziale Spiel- und Lerngemeinschaften sowie Erwachsene, die Selbstbildung ermöglichen, indem sie Räume dazu entsprechend vorbereiten. „Bildungsarbeit“ in Kindertageseinrichtungen bedeutet deshalb zuallererst, Kindern anregungsreiche Bildungsumwelten zur Verfügung zu stellen, in denen sie möglichst ungestört, selbstständig und mit langen Zeitfenstern an ihren Themen arbeiten und ihre Interessen verfolgen können. Diese Spiel- und Freiräume selbstentdeckenden Lernens bilden die Grundlage elementarpädagogischer Bildungsarbeit.“ (Franz, Vollmert 2012, S. 8)

Und ich behaupte, dass genau diese Sichtweise auch auf die Grundschule zu übertragen ist. Auch im Rahmen von Unterricht, der sich „entlang hangelt“ an vorgegebenen Bildungsstandards und curricularen Lerninhalten, können Lernumgebungen so gestaltet werden, dass Kinder Weltentdecker (oder eben auch kleine Matheforscher) sein dürfen. Es kommt auf die Umsetzung, also das WIE? an. Denn Voraussetzung, dass Kinder erfolgreich lernen können, ist eine Atmosphäre, in der sie sich wohl fühlen, wo jeder willkommen ist und so akzeptiert wird, wie er ist und wo Lernen „unter die Haut“ geht.

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Und noch einen Tipp habe ich für euch zum Schluss: Wenn ihr Kolleginnen und Kollegen begegnet, die ständig sagen: „Ja in der Theorie hört sich das alles ganz toll an! Aber unter unseren Bedingungen geht das überhaupt nicht umzusetzen: viel zu kleine Räume, viel zu wenig Räume, so ein altes Gebäude, kein Platz, kein Geld, zu viele Kinder und und und“, dann ladet sie ein gemeinsam mit euch und mit den Kindern trotzdem nach möglichen Lösungen zu suchen. Entwickelt gemeinsam kreative Ideen, besucht andere Einrichtungen, vernetzt euch mit Gleichgesinnten und mit Experten bzw. Interessierten aus dem Sozialraum, denn zusammen macht es vielmehr Spaß kreativ quer zu denken. Innovative Bildung braucht kreative Köpfe!

„Raum

Die bemerkenswertesten Räume sind die,

die uns vergessen lassen, dass es Mauern gibt,

deren Türen und Fenster jedem offen stehen

und deren Decken den Himmel freigeben.“

(Nadine Petri)

Ich freue mich wie immer auf eure Kommentare, Fragen, Ideen und vielleicht auch Fotos. Bis zum nächsten Blogbeitrag!

Eure Mandy Fuchs

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