Archiv der Kategorie: Alltagsmathematik

Upcycling und Inklusion?

Ja du hast richtig gelesen: Ich möchte zwei wahrscheinlich für dich erst einmal total konträr erscheinende Begriffe zusammenbringen. Und dann noch für dich wirklich nützliche Tipps für deinen Praxisalltag in der Grundschule oder in der Kita davon ableiten. Geht nicht? Na dann viel Spaß beim Lesen!

Also fangen wir ganz kurz mit den beiden Begriffen an: Beim UPCYCLING werden Abfallprodukte oder (scheinbar) nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt (Danke Wikipedia!). Ich formuliere das für uns Mathepädagogen mal so: Es gibt viele tolle (und auf den ersten Blick für das Lernen von Mathematik und für den Mathematikunterricht erst einmal scheinbar nutzlose) Alltagsmaterialien, die ein echt großes mathematisches Potenzial haben. Aber manchmal merken wir es gar nicht oder werden von den vielen tollen Materialien von Herstellern von Unterrichts- und Spielmaterialien geblendet. Bitte versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen diese Hersteller und auch nichts gegen die Materialien. Ich selbst schaffe mir gern auch mal gute Sachen an, wie aktuell die SumBlox. Und viele andere tolle Mathematerialien findet ihr hier auf meiner Seite mit Tipps für Spiele. Ich denke: Wie so oft kommt es auf die gute Mischung an.

Aber zurück zum Upcycling. Für Mathematik scheinbar nutzlose Alltagsmaterialien können durch das Aufsetzen der „mathematischen Brille“ in geniale „Werkzeuge“ zum Entdecken der mathematischen Welt umgewandelt, also upgecycelt werden. Was das für Materialien sind? Kennt ihr alle: z.B. Wäscheklammern, Wattestäbchen, Deckel von Getränkeflaschen, Münzen, Schachteln, Eisbecher, Zettel aus der Zettelbox, Gummiringe, Büroklammern oder auch Naturmaterialien wie Kastanien oder Muscheln. Oft sind es also Dinge, die man zu Hause oder im Büro hat und mit den Kindern und deren Eltern gemeinsam sammeln kann. Und für alle, die es bereits an dieser Stelle nicht mehr aushalten können, gibt es hier schon mal den Link zu einem tollen Materialipaket.

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Und nun zum Begriff INKLUSION. Damit du diesen Abschnitt jetzt nicht auslässt, erspare ich mir und dir viele Definitionen und versuche es gleich mit meinen eigenen Worten und bezogen auf das Lernen von Mathematik. Also meine Philosophie eines inklusiven Mathematikunterrichts ist, wenn jedes Kind individuell nach seinen ganz persönlichen Bedürfnissen Mathematik lernen darf. So einfach? So einfach! Und genau dafür brauchen wir ein vielfältig buntes Repertoire an Organisationsformen, Methoden und Materialien. Und genau das haben wir ja! Das alles gibt es. Eine der größten Herausforderung eines jeden Lernbegleiters in der heutigen Zeit besteht nämlich genau darin: durchdacht auszuwählen und das passende für sich selbst und für seine kleinen und großen Matheforscher heraus zu finden. Denn Rezepte für einen inklusiven Mathematikunterricht und überhaupt für DEN besten Weg Mathematik zu lernen und zu begreifen gibt es nicht wirklich. Was es gibt, sind pädagogische Grundpositionen sowie didaktisch-methodische Grundorientierungen sowohl in der Grundschule als auch in der Kita. Und auf der Basis einer soliden Ausbildung in Kombination mit der täglichen Reflexion der eigenen Arbeit (einschließlich eigener Haltungen und Einstellungen) kann es gut gelingen, eine für dich und deine Matheforscher passende Lernumgebung zu gestalten und dabei inklusive Werte umzusetzen. Ja ich weiß, nicht immer sind die dafür auch notwendigen Rahmenbedingungen gegeben! Leider!

Aber zurück zum Thema Upcycling und Inklusion. Lass es uns konkret machen. Wir wählen ein Material: Gummiringe! Die hat fast jeder zu Hause, weil sie im Haushalt einfach nützlich sind. Wenn jedes Kind deiner Klasse oder Gruppe nur eine Handvoll Gummiringe mitbringt, reicht das schon ganz gut zum Forschen. Und wie kannst du Gummiringe nun für Mathe „upcyceln“? Frag doch einfach deine Kinder im Einstiegskreis. Gib jedem einen Gummiring und macht ein Brainstorming: „Lasst uns Ideen sammeln, wie wir mit Gummiringen Mathe lernen können?“ Und schon hier wirst du staunen, welche genialen Einfälle deine Matheforscher haben. Jeder darf mitmachen, jede Idee ist erlaubt, alles wird notiert. Und dann könnt ihr gemeinsam schauen:

  • Welche Ideen kann man sofort umsetzen?
  • Wie viel Mathematik steckt in den Ideen?
  • Was brauchen wir für die Umsetzung?
  • Wie wollen wir einzelne Ideen umsetzen?

Viele von den Ideen der Kinder habe ich in der Forscherkartei zur Gummiringemathematik aufgegriffen und umgesetzt. Denn Gummiringe eignen sich wunderbar zum Schätzen, Sortieren, Zählen, Spannen, Schnipsen, Muster legen und auch zum kreativen Gestalten. Sie können ausgemessen (Länge, Durchmesser, Umfang) und aneinander gekettet werden. Somit kann vor allem der Größenbereich Länge wunderbar umgesetzt und angewendet werden. Und natürlich gibt es viele tolle Ideen für die Arbeit am Geobrett. Du siehst also, dass Gummiringe viele Möglichkeiten bieten, die Welt der Mathematik kindorientiert und individuell zu „begreifen“. Egal ob Ben und Lea einen Gummiringe-Weitflug-Wettbewerb durchführen wollen und dabei die Flugweiten mit Schritten oder Maßbändern messen und vergleichen. Oder ob Emma und Tom erst einmal viele bunte Gummiringe über Papprollen spannen. Oder ob Esrah und Hakan testen wie weit man Gummiringe auseinanderziehen kann und feststellen, dass es bis zum Vierfachen ihrer Ursprungslänge klappt. Oder oder oder! Jedes Kind kann Gummiringe individuell nach seinen Bedürfnissen erforschen. Und am Ende könnt ihr alle eure wunderbaren Ideen zusammentragen, eine Ausstellung mit Forscherblättern gestalten und darüber diskutieren was ihr mit eurer Gummiringemathematik gelernt habt. Einfach toll! Sag ich doch: Upcycling und Inklusion!

Ich habe für alle, die in der Grundschule arbeiten, insgesamt 18 Forscherkarten zum Forschen mit Gummiringen direkt mit Impulsen und Fotos für die Kinder erarbeitet. Und du bekommst auch 5 Karten mit Ideen für den Einsatz der Karten in deinem inklusiven Matheunterricht. Ich bin ja ein Fan von Forscherstunden. Und da habe ich dir ja schon viele Beispiele hier im Blog dafür gegeben, wie du sie durchführen und wie du Forscherblätter gestalten kannst.

Eins steht jedoch fest, du kannst die Karten nicht eine nach der anderen mit allen Kindern „abarbeiten“. Inklusion bedeutet nämlich auch loslassen können und den Kindern Wahlfreiheit und Eigenverantwortung übertragen. Das können sie nämlich gut, wenn man sie lässt und es ihnen zutraut. Also lass sie doch einfach selbst Karten auswählen und damit Forscherstationen aufbauen oder integriere die Gummiringemathematik als eine Lernstation in deine Arbeit mit Lernwegen oder Lernstationen. Die Gummiringemathematik kann auch deine Wochenplanarbeit bereichern oder ins Freiarbeitsregal oder in eure Lernwerkstatt einziehen. Wichtig hierbei ist immer, dass jedes Kind mit dem Material eigene also selbst gewählte Ideen umsetzen darf. Also sich am besten auch eine eigene Forscherfrage stellt und diese dann versucht zu beantworten. Und wenn deine Matheforscher daran gewöhnt sind, dann klappt dies immer besser und: Jedes Kind lernt somit individuell nach seinen ganz persönlichen Bedürfnissen Mathematik.

So und nun sag aber nicht, dass es gar nicht so viele Forschermaterialien gibt. Doch die gibt es. Hier die Links zu allen bisher erschienenen Forschermaterialien. Es gibt mittlerweile 9 Themen in zwei Fassungen: einmal für die Grundschule und einmal für den Einsatz in der Kita. Nur die Gummiringemathematik für die Kita ist noch nicht fertig, wird aber schnellstmöglich nachgereicht!

Gummibärenmathematik Kita  Grundschule

Wäscheklammernmathematik Kita  Grundschule

Wattestäbchenmathematik Kita  Grundschule

Deckelmathematik Kita Grundschule

Münzenmathematik Kita  Grundschule

Schachtelmathematik Kita  Grundschule

Eisbechermathematik Kita  Grundschule

Zettelmathematik Kita  Grundschule

Gummiringemathematik Kita  Grundschule

So und zu guter letzt noch der Link zum großen Kitapaket:

Großes Kitapaket Mathematik

Na, hab ich es geschafft Upcycling und Inklusion für dich praxistauglich zu veranschaulichen? Und passt meine Philosophie für das Umsetzen einer kindorientierten Alltagsmathematik auch für dich? Dann darfst du es gern weiter sagen! Ich wünsche dir viel Freude beim Matheforschen!

Eure Mandy Fuchs

Zettelmathematik auch für die Kita

Für alle meine Follower aus dem Kitabereich gibt es neue Nachrichten: Die Forscherkarten zur Zettelmathematik für den Kindergarten sind fertig! Es sind 5 Karten für dich als Lernbegleiter mit Hinweisen wie du offene Forscherangebote mit Zetteln aus der Zettelbox durchführen kannst. Und dazu gibt es 9 Karten mit tollen Fotos, die als einfache Impulse für deine kleinen Matheforscher dienen. Super gut auch im Förderunterricht oder in Willkommensklassen einsetzbar.

Hier gehts zum Material: Zettelmathematik in der Kita

Zettelmathematik_Kita_Foto

Ganz viel Freude beim Zettelforschen!!!

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Nachtrag: Gerade fertig geworden sind noch die

Münzenmathematik für die Kita

Eisbechermathematik für die Kita

Schachtelmathematik für die Kita

Auch hier für die jeweils ersten 50 von euch kostenlos!!!

Eure Mandy Fuchs

Schachtelmathematik

Pralinenschachteln werden in der nächsten Zeit wieder viele verschenkt. Nachdem die Schachteln leer gegessen wurden, sollte man sie nicht gleich in den Müll werfen. Es ist genau das perfekte Material für die geniale „Schachtelmathematik“, denn in den Schachteln stecken jede Menge mathematische Strukturen (Rechenaufgaben, Malfolgen, Zahlenmuster) und geometrische Formen (Vierecke, Symmetrien). Kleine Matheforscher können mithilfe der Forscherkartei viele Impulse und Ideen zur „Schachtelmathematik“ bekommen, denn für sie gibt es insgesamt 10 Karten. Sie können natürlich auch selbst spannende Forscherfragen entwickeln und dazu ihre Forscherblätter gestalten. Und Lernbegleiter erfahren auf insgesamt 6 Karten, wie sie z.B. eine Forscherstunde durchführen können. Nach der Gummibären-, Wäscheklammern-, Wattestäbchen-, Deckel- und Münzenmathematik ist die „Schachtelmathematik“ nun bereits die 6. Forscherkartei für einen aktiv-entdeckenden, kompetenzorientierten und individuellen Mathematikunterricht. Sie sollte in keinem Freiarbeitsregal fehlen!

Denn: Alle Kinder sind Matheforscher, denn sie erforschen gern Alltagsmaterialien mit einem hohen mathematischen Potenzial zum Zählen, Sortieren, Strukturieren, Rechnen, Problemlösen, Knobeln, kreativen Gestalten, Experimentieren und Forschen. Sie lernen nachhaltig und mit viel Freude. Mit selbst gewählten Forscherfragen haben sie hierbei die Möglichkeit, über Ziele, Inhalte und Lernformen individuell zu bestimmen. Kleine Matheforscher lernen mit der Forscherkartei selbstbestimmt, interessenorientiert, eigenverantwortlich, selbstorganisiert, sehr differenziert und individuell.

„Es ist widersinnig, die Schüler die Grundfähigkeiten üben zu lassen, die für Mathematik nötig sind, sie dann aber nicht auf die mathematische Spielwiese zu lassen, damit sie ihren Spaß haben können.“ (Matt Parker, 2015)

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Münzen: Glücksbringer oder Forscherimpuls

Du hast doch bestimmt auch schon mal eine Münze gefunden, oder? Und mal ehrlich: Hast du auch dreimal drauf gespuckt, weil dies Glück bringen soll? Na egal … Auch wenn du heute keine Münze findest, wünsche ich dir für das neue Jahr eine ganze Menge Glück, Gesundheit und Zufriedenheit.

Und als kleines Neujahrsgeschenk und als mein symbolischer Glücksbringer sozusagen, kannst du dir die Forscherkartei zur Münzenmathematik heute und morgen für nur 1€ downloaden. So kannst du mit deinen kleinen Matheforschern im neuen Jahr gleich richtig loslegen: Forschen, Experimentieren, Philosophieren und Entdecken!!! Und das alles mit vielen Centstücken (Ich habe dafür einfach 20€ bei der Bundesbank getauscht. Du kannst die Centstücke aber auch mit deinen Kindern sammeln.). Ganz nebenbei erwerben deine Matheforscher vielfältige Kompetenzen z.B. beim Schätzen, Wiegen, Rechnen, Vergleichen, Muster erkennen und viele andere mehr.

Und als ein kleines Extra dazu, gibt es auch die Matheforscher Erkundungstour für nur 1€. Mehr dazu erfährst du hier im Blogartikel: Matheforscher Erkundungstour.

So, nun aber sollten wir das alte Jahr ausklingen lassen. Für euch alle einen tollen Jahreswechsel und viel Glück (ob mit oder ohne Münzen)!!!

Eure Mandy Fuchs

Auf ins neue Matheforscherjahr

Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs, liebe Fans meiner Webseite und liebe Matheforscherinnen und Matheforscher,

ich danke euch allen für dieses tolle Jahr 2017! Es war ein aufregendes und spannendes Jahr für mich und vor allem gemeinsam mit euch. Wir haben uns über viele tolle mathematische Ideen ausgetauscht, es gab eine Menge neuer Materialien und ich war mit sehr interessanten Themen unterwegs in MeckPomm und in anderen Bundesländern. Dabei durfte ich einige von euch persönlich kennen lernen. Das war für mich besonders bereichernd.

Ein spannendes neues Projekt in diesem Jahr war vor allem der neu konzipierte Matheforscher Onlinekurs. Eine Woche lang (die viel zu schnell verging) tauschten sich sehr engagierte Matheforscherinnen über zahlreiche mathematischen Themen aus. Es wurde viel diskutiert und dabei entstanden eine Menge neuer Praxisideen. Einfach toll!!! Und für alle, die diesmal nicht dabei sein konnten hier schon mal der Hinweis: Es gibt eine zweite Runde! Ihr werdet es bald hier erfahren.

Nun aber lasst uns das alte Jahr 2017 in Ruhe und Besinnlichkeit verabschieden oder mit Spaß und Knallerei loslassen, um all den neuen Herausforderungen des neuen Jahres 2018 Platz zu machen!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen wunderschönen Jahreswechsel! Rutscht gut rein und freut euch auf viele neue mathematische Ideen im neuen Jahr!

Eure Mandy Fuchs

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Forschen im Mathematikunterricht

Sehr sehr viele von euch haben das Material zum HAUS VOM NIKOLAUS herunter geladen. Ihr habt es gemeinsam mit euren Matheforschern untersucht, spannende Forscherfragen entdeckt und tolle Forscherblätter dazu erstellt. Das ist einfach großartig!!! Und alle, die es verpasst haben das Material kostenlos zu bekommen haben nochmal eine 2. Chance:

Bis zum 3. Advent (17.12.2017) gibt es das Material zum Haus vom Nikolaus als Gratiszugabe zur Forscherkartei für kleine Matheforscher in der Grundschule. Mit dabei ist auch die neu erstellte Forscherkartei zur Münzenmathematik. Und das alles zum absoluten Aktionspreis. Schau gleich mal vorbei!

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Im Material erfährst du,

  • wie du eine mathematische Forscherstunde durchführen kannst,
  • wie du deine Matheforscher gut beim Forschen begleitest,
  • was du alles an Materialien benötigst (das ist nicht viel und nicht teuer) und
  • vor allem, wie du es schaffst, dass sich deine Kids kompetenzorientiert mit mathematischen Inhalten aus der Welt der Mathematik auseinandersetzen und ganz nebenbei Alltagsmathematik erleben.

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Wer es weihnachtlicher mag, der kann ja das Nikolaushaus weiter erforschen. Für welches Thema ihr euch auch entscheidet, viele spannende mathematische Entdeckungen wünscht euch

Mandy Fuchs

 

Wie viel ist eine Million?

Kinder erleben die Faszination, die von sehr großen Zahlen ausgeht, wenn sie konkret eigene Vorstellungen von ihnen entwickeln können. Ich möchte euch hierfür ein Unterrichtsbeispiel vorstellen, welches ich selbst ausprobieren und erleben durfte. Ein Forschertag in einer 4. Klasse!

Als ich selbst noch unterrichtet habe (Ja ich gebe zu, das ist bereits einige Zeit her!), gestaltete ich meinen Mathematikunterricht vorrangig nach den Prinzipien des aktiv entdeckenden Lernens. Wichtig war mir dabei, dass die Kinder aktive Mitgestalter und Mitverantwortliche ihres Lernens waren, eigene Erfahrungen und Vorwissen einbringen konnten sowie Querverbindungen zu anderen Lernfeldern erkannten. So konnten sie schon damals als kleine Matheforscher die Welt der Mathematik als etwas Offenes, Spannendes und Schönes erleben.

Die Vorbereitungsphase

Bei der Erweiterung des Zahlenraumes bis 1 000 000, einem der ersten neuen Themen des vierten Schuljahres, probierte ich einen ganzheitlichen und offenen Einstieg aus. Ich plante einen Forschertag zum Thema „Wie viel ist eine Million?“ Ein wichtiges Ziel bestand darin, dass die Kinder ausgehend von ihren Alltagserfahrungen konkrete Vorstellungen zu großen Zahlen entwickeln und dabei die Faszination einer sehr großen Zahl erleben konnten. Gleichzeitig sollten sie selbständig verschiedene Darstellungsmöglichkeiten für große Zahlen erkunden und hierzu Eigenproduktionen gestalten. Bei der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung des Forschertages hatten die Kinder bereits gute Vorschläge und Ideen. Wir einigten uns darauf,

  • in Büchern und Zeitschriften nach großen Zahlen zu suchen,
  • Poster anzufertigen,
  • eine Ausstellung zum Thema „Wie viel ist eine Million?“ zu gestalten und
  • in zwei Gruppen zu arbeiten.

Die eine Gruppe wollte der Frage „Wie viel ist eine Million?“ nachgehen und eine Ausstellung vorbereiten, die andere Gruppe wollte große Zahlen im Alltagsleben erkunden und dazu verschiedene Poster anfertigen. Jedes Kind konnte sich selbst für die Mitarbeit in einer Gruppe entscheiden. In den Tagen vor dem Forschertag sammelten meine Matheforscher eifrig Materialien und tauschten Informationen aus.

Der Forschertag

Schon am Morgen vor Beginn des Unterrichts beobachtete ich ein reges Interesse unter den Kindern. Sie waren neugierig und jeder wollte wissen, welche Ideen und Materialien die anderen hatten. Schnell wurde der Klassenraum in eine Lernwerkstatt verwandelt und die Kinder begannen unabhängig voneinander in ihren Gruppen zu arbeiten, wobei die Lage der Gruppentische auch ein gegenseitiges Beobachten und Helfen zuließ. Als Orientierungshilfe gab ich jeder Gruppe die Kopie der jeweiligen Schulbuchseite.

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Die Matheforscher der Gruppe „Große Zahlen im Alltag“ staunten über die interessanten Zahlenangaben. Beim Lesen der großen Zahlen halfen sie sich gegenseitig. Sie dachten gemeinsam über die Größe der jeweiligen Zahlen nach und suchten dann in ihren Materialien nach ähnlich großen und interessanten Zahlenangaben. Zugleich setzten sie sich mit dem jeweiligen Sachthema auseinander. Drei Mädchen interessierten sich z.B. für einen Artikel, in dem als „Zahl des Tages“ 2900 Hundeattacken genannt wurden, die im vergangenen Jahr auf deutsche Briefträger ausgeübt wurden und Kosten in Höhe von ca. 9,5 Mio. Mark (Ja es war noch zu D-Mark-Zeiten!) für Tetanusspritzen und Hosenreparaturen verursachten. Ein Junge war von seinem Rekordebuch fasziniert. Er fand auch hier große Zahlenangaben, die ihn interessierten, und schrieb sie sich heraus. Aus ausgeschnittenen Bildern und selbst gestalteten Texten entstanden verschiedene Poster, die am Ende des Forschertages der gesamten Klasse vorgestellt wurden. Dabei zeigte sich, dass die Kinder sehr vielfältige Zahlenangaben in Verbindung mit Sachthemen präsentierten, die meist aus ihrer näheren Umgebung oder aus einem sie interessierten Erfahrungsbereich stammten. Im Gespräch wurde aber auch deutlich, dass die meisten noch relativ geringe konkrete Vorstellungen von der Größe der Zahlen hatten. Dieses Ergebnis war natürlich zu erwarten. Wichtig war für mich vor allem, dass mit den interessanten Sachbezügen von vornherein ein formaler Umgang mit großen Zahlen verhindert wurde. Eine Vorstellung von der Größe einer Zahl zu haben war den Kindern nun von der Sache her bedeutsam.

Vorstellungsvermögen gefragt

Genau um diesen Aspekt ging es den Matheforschern der anderen Gruppe. Sie bemühten sich, Vorstellungen zur Zahl 1 000 000 zu entwickeln. Dabei gingen sie noch stärker als die Kinder der ersten Gruppe von der eigenen Erfahrungswelt aus und versuchten ausgehend von einer bekannten Zahl bzw. Größe bis 1 000 000 „hochzurechnen“. Sie arbeiteten weitestgehend selbständig, meist in kleinen Teams.

Anne und Tino hatten z.B. Reiskörner mitgebracht, 1000 davon abgezählt und in einen Becher gefüllt. Durch ihre Hochrechnung kamen sie zu dem Ergebnis, dass sie 1000 dieser mit Reiskörnern gefüllten Becher benötigen, um auf 1 000 000 Reiskörner zu kommen. Stolz stellten sie den Becher in unsere Ausstellung und legten ihr Forscherblatt dazu. (Sie verrieten mir, dass sie eigentlich eine Million Reiskörner abzählen wollten, dann aber schnell gemerkt haben, dass dies wohl den Zeitrahmen und ihre Ausdauer überschreiten würde.)

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1 Becher =         1 000

10 Becher =       10 000

100 Becher =     100 000

1 000 Becher =  1 000 000

Tom arbeitete zu Hause mit seinem Opa gerade an einem Gartenteich und stellte sich diesen schon bildhaft vor. Er meinte, sein Teich sei ½ Meter tief und es seien 500 Liter Wasser darin. Dann berechnete er die Wassermenge für einen 1 Meter, 10 Meter und 100 Meter tiefen Teich und kam schließlich durch sein Hochrechnen darauf, dass ein 1 000 000-Liter-Teich 1 000 Meter tief sein müsste. Darüber staunte er sehr. Ich war über Toms Idee und seinen Rechenweg sehr begeistert, denn der Junge gehörte eigentlich zu den eher sehr ruhigen und zurückhaltenden kleinen Matheforschern, die sonst im Matheunterricht immer besonderen Unterstützungsbedarf brauchten.

Paul brachte einen Minilastwagen mit, auf dem sich eine DM-Münze befand. Sein Forscherblatt dazu sah so aus:

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Weitere Beispiele der Kinder bezogen sich auf die Anzahl der Haare eines Menschen und auf große Zahlen bei Fischen oder Vögeln. Fasziniert waren sie auch von hohen Altersangaben, z.B. bei Vulkanen und Gesteinen. Aron schrieb einen kleinen Text über die Urmenschen. Aufregend war schließlich noch der Vergleich zwischen dem Gewicht einer Maus und dem eines Elefanten. In einem Tierbuch stand, dass eine bestimmte Mäuseart ca. 6g und ein Elefant ca. 6t wiegen kann. Um eine Waage ins Gleichgewicht zu bringen, bräuchte es also 1 000 000 Mäuse. Und die stellten sich die Kinder dann in unserem Klassenraum vor, was bei vielen ziemlich großes Unbehagen auslöste, wie ihr euch vorstellen könnt.

Fazit

Die Einbeziehung der Kinder in die Planung und Vorbereitung des Forschertages erwies sich als sehr motivierend. Meine inhaltliche und organisatorische Offenheit ermöglichte es meinen Matheforschern, ihre Alltagserfahrungen, unterschiedliche Interessen sowie Vorkenntnisse sinnvoll für die Erkundungen zu großen Zahlen zu nutzen. Für das Erleben der Faszination großer Zahlen, für das Staunen über die gewaltige Größe der Zahl 1 000 000 spielten sicher die interessanten Sachthemen eine entscheidende Rolle. Zur Entwicklung einer aktiven Lernhaltung trug auch bei, dass die Kinder während des Forschertages erfuhren, dass sowohl erworbenes Wissen aus verschiedenen Unterrichtsfächern als auch Alltagserfahrungen und spezielles Wissen zu einem interessanten Sachgebiet für das Lernen im Mathematikunterricht notwendig und nützlich sind. Für mich war es aufschlussreich, dass alle meine Kinder (auch die eher leistungsschwächeren und auch die Kinder, die sonst vom Verhalten her nicht immer positiv aufgefallen sind) die offene und komplexe Lernsituation sehr gut annahmen. Ich konnte ihr engagiertes und durchweg motiviertes Verhalten gut beobachten und gewann so weitere Einsichten in ihre Interessen und individuellen Denkstile.

Ja und zum Schluss verrate ich euch, dass ich für diesen Blogbeitrag einen 16 Jahre alten Artikel rausgesucht habe. Ich habe ihn im Jahr 2001 für ein Schulbuchmagazin geschrieben und nur sprachlich ein wenig aufgepeppt. Ich war selbst überrascht, dass ich bereits damals die gleich Philosophie vom Lernen von Kindern vertrat wie heute. Nur heute kann ich diese Art der Lernbegleitung professioneller und fachlich fundierter begründen.

Ich wünsche euch wie immer viel Erfolg beim Matheforschen und freue mich auf eure Kommentare.

Mandy Fuchs

PS: Wenn ihr oder eure Matheforscher wissen wollen, wie viel eigentlich eine Million Euro wiegen, dann habe ich hier noch eine spannende Internetseite, auf der man das Gewicht von einer Million Euro ermitteln kann: http://1000000-euro.de/

Matheforscher Erkundungstour

In unserem Alltag sind wir fast überall von Mathematik umgeben. Eigentlich brauchen wir „nur“ die „mathematische Brille“ aufsetzen, um sie sehen zu können. Die Fotos hier können erste Impulse geben, wo überall Mathematik zu entdecken ist: in der Natur, in der Architektur, im Haus, im Straßenverkehr, im Supermarkt usw. Oft sind es eindrucksvolle Muster, manchmal versteckte Strukturen, gelegentlich Zahlenangaben mit verschiedenen Bedeutungen. Manchmal ergeben sich aber auch Möglichkeiten zum Schätzen, Zählen, Messen, Rechnen und Vergleichen.

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Über dieses enorme Potenzial von Alltagsmathematik sind wir uns eigentlich bewusst. Die größte Herausforderung besteht jedoch darin, dieses Potenzial aufzugreifen und so umzusetzen, dass die Kinder wirklich als kleine Matheforscher eigenaktiv und selbstbestimmt die mathematische Umgebung erkunden können. Und genau darum soll es in diesem Beitrag gehen: Wie kann ich mit kleinen Matheforschern auf eine mathematische Erkundungstour gehen? Wie kann eine solche Tour durch den eigenen Heimatort entwickelt werden? Welche Forscherfragen, Impulse oder Erkundungsaufträge sind für einen mathematischen Lernweg besonders geeignet?

Zunächst empfehle ich für die Einstiegsphase einen kleinen Gesprächskreis (Dieser kann je nach Vorbereitungszeit auch schon einen oder zwei Tage vor der Erkundungstour stattfinden). Hierbei können die Kinder gemeinsam mit dem Lernbegleiter darüber nachdenken, wie viel Mathematik eigentlich in der Umgebung der Schule oder der Kita bzw. im Heimatort zu entdecken wäre. Dabei können erste Beispiele für Zahlenangaben, Formen und besondere Muster gesammelt und vielleicht auch bereits auf Fotos näher betrachtet werden. Dabei benennen die Kinder ihnen bekannte Zahlen und geometrische Formen in ihrer ganzen Vielfalt. Auch über verschiedene Möglichkeiten zum Schätzen, zum Zählen, zum Messen und Rechnen können sich alle Teilnehmer der Matheforschertour austauschen. Dabei können bereits die verschiedenen Faltblätter der „Matheforscher Erkundungstour“ zur Orientierung genutzt werden (Du findest das vollständige Material hier bei Lehrermarktplatz.).

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Gemeinsam überlegen dann alle, was man mitnehmen sollte und wer was besorgen kann. Ich empfehle zum Beispiel folgende Dinge:

Wer einen spielerischen Einstieg (z.B. in der Kita oder in der ersten Klasse) bevorzugt, könnte in den Morgen- bzw. Gesprächskreis eine mit einem Tuch verdeckte Kiste mitbringen, in der sonst immer viele verschiedene Zahlen (aus Holz, Moosgummi, …) oder Formen (Dreiecke, Vierecke, Kreise) liegen. Beim Anheben des Tuches stellen alle entsetzt fest, dass die Zahlen (bzw. Formen) verschwunden sind. Ein perfekter Aufhänger, um mit den Kindern sofort in der Umgebung auf die Suche zu gehen.

Zur Vorbereitungsphase gehört auch, darüber nachzudenken, ob sich die Kinder evtl. in Gruppen einteilen wollen und hierbei spezielle Beobachtungsaufgaben, z.B. die „Zahlenforschergruppe“ (vgl. Extrafaltblatt) oder die „Formenforscher“ (vgl. Extrafaltblatt) oder andere wichtige Funktionen, z.B. Fotograf, Messgerätewart, Zeitwächter, … übernehmen möchten.

Dann kann die erste Erkundungstour, die sogenannte Forscherphase starten. Die Dauer und die Länge der Tour können je nach örtlichen Gegebenheiten und nach Alter der Kinder variieren. Mit größeren Kindergruppen empfiehlt es sich, verkehrsberuhigte Wege (Fußgängerzonen, Wohngebiete) oder Spazierwege in Parkanlagen zu nutzen. Wenn jedes Kind sein Faltblatt und ein Klemmbrett dabei hat, sollten immer wieder kleine Schreib- bzw. Malpause eingelegt werden, so dass die kleinen Matheforscher genügend Zeit haben, ihre Entdeckungen aufzuschreiben oder aufzumalen. Während der Erkundungstour sollte der Lernbegleiter eine gute Balance finden zwischen Phasen mit anregenden Fragen, Impulsen oder Aufträgen und Phasen, in denen er sich zurück hält und sich auf die Ideen und Beobachtungen der Kinder einlässt.

Geeignete Forscherfragen, Impulse oder Erkundungsaufträge für die Matheforscher Erkundungstour:

  • Welche Zahlen entdeckst du? Was bedeuten sie? (z.B. Hausnummern, Preisschilder)
  • Suche nach eckigen Formen. (z.B. Fenster, Briefkästen)
  • Welche runden Formen entdeckst du? (z.B. runde Verkehrsschilder, kugelförmige Straßenlaternen)
  • Fotografiere besonders schöne Muster! (z.B. in Zaunfeldern, an Hausfassaden, auf Grehwegen)
  • Welche symmetrischen Dinge entdeckst du? (z.B. Laubblätter, Brückengeländer)
  • Was kannst du schätzen? (z.B. Fahrräder, Länge von Parkbänken, Zeitdauer der Rotphase bei Ampeln)
  • Zähle viele Dinge! (z.B. Schritte von … bis …, Fenster eines Gebäudes)
  • Was kannst du messen? (z.B. Länge eines Weges, Gewicht einer Kiste, Zeitspanne von … bis …)
  • Probiere mit Zahlenangaben, die du entdeckst, zu rechnen. (z.B. Wie viel kosten drei Kugeln Eis? In wie viel Minuten kommt die nächste Bahn?)
  • Was kannst du beschreiben/vergleichen? (z.B. Auf dem Parkplatz stehen mehr Autos als Motorräder. Der Baum ist höher als die Straßenlaterne.)

Wieder zurück in der Kita bzw. in der Schule sollten die kleinen und großen Matheforscher Gelegenheit haben, über ihre Eindrücke zu sprechen, sich auszutauschen und auch ihr Faltblatt „Meine Matheforscher Erkundungstour“ zu vervollständigen. Dazu dient eine gemeinsame Auswertungs- und Präsentationsphase. Hierbei sollte Gelegenheit sein, sich die entstandenen Fotos (evtl. über ein Smartboard) anzusehen und für eine weitere Präsentation geeignete Aufnahmen auszuwählen.

Geeignete Reflektionsfragen:

  • Welche mathematischen Dinge habt ihr entdeckt? Was war das spannendste? Warum?
  • Wie viel Mathematik steckt in unserer Umgebung? Stelle einige Beispiele vor.
  • Stelle dein Faltblatt „Meine Matheforscher Erkundungstour“ vor!
  • Mit welchem Thema möchtet/möchtest ihr euch/du dich weiter beschäftigen?
  • Was möchtet ihr/möchtest du präsentieren?

Zur Präsentation der Entdeckungen der „Matheforscher Erkundungstour“ bietet sich ein Lapbook besonders an. Dies kann als Einzel- oder auch als Gruppenarbeit gestaltet werden. Tipps und Hinweise zum Erstellen von Lapbooks in der Grundschule findest du hier. Auch eine Posterpräsentation oder Fotoausstellung ist denkbar.

Mögliche Anschlussforschungen:

Schülerinnen und Schüler eines dritten oder vierten Schuljahres können darüber hinaus noch eine zweite vertiefendere Erkundungstour vorbereiten. Hierfür können sie in Partnerarbeit selbst eine Forscherfrage formulieren oder einen eigenen Beobachtungsschwerpunkt festlegen. Zur Begleitung eignet sich das Faltblatt „Eine Forscherfrage für die Matheforscher Erkundungstour“. Als ein besonderer Höhepunkt kann z.B. auch eine „Geometrische Stadtrallye“ (oder auch „Mathematische Stadtrallye“) gemeinsam mit den Kindern vorbereitet werden. Hierbei kann z.B. ein besonderer Weg durch die Stadt (oder den Ort) verfolgt werden und an verschiedenen Stationen geometrische (mathematische) Aufgaben gelöst bzw. bearbeitet werden, wobei die regionalen Besonderheiten der Umgebung sowie vielfältige mathematische Aktivitäten einbezogen werden.

Nicht nur die Kinder werden staunen, wie viel Mathematik in ihrer Stadt und in ihrer Umgebung steckt, sondern auch jeder andere, der die Tour begleitet oder sich die Präsentationen der kleinen und großen Matheforscher anschaut. Ich wünsche euch allen viel Freude und Entdeckergeist!

Mandy Fuchs

Deckelmathematik

Bist du auch stets auf der Suche nach einfachen und günstigen Materialien, die du dann mit deinen Kindern in der Kita oder Grundschule erforschen kannst? Wenn sie dann noch so genial wie Gummibären sind (Du erinnerst dich? Wenn nicht, schau noch mal hier.), weil man mit ihnen so viel und so genial Mathematik erforschen kann, dann ist es perfekt! Ich hab wieder so ein Material gefunden: Deckel von Getränkeflaschen oder Tetrapacks! Glaubst du nicht? Na was meinst du, wie viele Deckel kann man stapeln, ohne dass der Turm umfällt? Wie lang ist wohl die Strecke, wenn ihr alle gesammelten Deckel aneinander legt? Oder was schätzt du, wie viele Wassertropfen passen wohl in einen kleinen Deckel hinein?

Das sind nur einige der Fragen die sich meine kleinen Matheforscher aus der Grundschule und auch aus dem Kindergarten gestellt haben. Und auch dieses Mal bin ich wieder aufs Neue fasziniert und begeistert, was ihnen alles zur Deckelmathematik eingefallen ist. Aber nicht nur die Fragen sind spannend, sondern auch ihre eigenen Ideen zur Beantwortung. Die Kinder stellen sehr gern selbst zu Beginn Vermutungen auf. Sie hierbei zu beobachten und zum Beispiel ihre Schätzstrategien zu hinterfragen, kann so wertvoll für die weitere Forscherbegleitung und für die Entwicklung mathematischer Kompetenzen sein.

Und genau davon stecken so viele in einer Kiste gesammelter bunter Plastikdeckel. Du kannst es dir noch immer nicht so richtig vorstellen? Dann schau mal hier, das sind die Mathematischen Inhaltsbereiche:

  • Zahlen und Operationen (Deckelanzahlen schätzen, sie zählen, vergleichen und gleichmäßig verteilen, damit rechnen und Rechenmuster entdecken, …)
  • Größen und Messen (Deckelschlangen legen und messen, Gewichte von Deckeln ermitteln, …)
  • Form und Veränderung (Formen, Figuren und Muster legen und fortsetzen, Symmetrien erkennen, …)
  • Stochastik (Daten erfassen und in Strichlisten, Tabellen oder Diagrammen und Schaubildern darstellen, über Wahrscheinlichkeiten diskutieren, …).

Aber auch eine Menge mathematischer Prozessziele sowie mathematische Denk- und Handlungsweisen kannst du mit der Deckelmathematik fördern, denn sie leistet einen Beitrag

  • zur Förderung feinmotorischer Kompetenzen beim Legen der Deckel,
  • zur Sprachförderung durch Formulieren von Forscherfragen, durch gemeinsames Kommunizieren und Präsentieren,
  • zur Förderung von Kreativität und Problemlösekompetenz sowie
  • zum Erkennen und Nutzen von Mustern und Strukturen.

Und all das ist nicht nur in der Grundschule und im Kindergarten möglich, sondern auch zu Hause. Denn auch Eltern können mit ihren Kindern bunte Deckel sammeln und mathematisch erforschen.

So, ich möchte hier heute aber gar nicht so viel mehr verraten, denn ich habe alle meine gemeinsam mit vielen Kindern und Lernbegleitern erprobten Erfahrungen zur Deckelmathematik in einer Forscherkartei zusammengefasst. Diese ist ab sofort bei www.lehrermarktplatz erhältlich. Es gibt dort eine Forscherkartei für kleine Matheforscher in der Grundschule, und es gibt zudem auch Forscherkarten mit Impulsen für kleine Matheforscher und ihre Lernbegleiter im Kindergarten. Alles didaktisch und methodisch aufbereitet und trotzdem mit vielen Möglichkeiten zum freien Forschen und Experimentieren.

Das ist übrigens bereits die vierte Forscherkartei! Es gibt noch die Gummibärenmathematik, die Wattestäbchenmathematik und die Wäscheklammermathematik!!! Hier kannst du stöbern!

Es ist ganz einfach: Die 4 bzw. 5 Seiten ausdrucken, laminieren, die einzelnen Karten zuschneiden und dann kannst du auch schon gemeinsam mit deinen Matheforschern loslegen. Alles was ihr braucht, steht auf den Forscherkarten drauf. Und diese sind immer wieder verwendbar, also kein Verbrauchsmaterial. Du musst auch keine anderen Arbeitsblätter kopieren.

Und noch ein ganz wichtiger Hinweis: Wenn ihr die Deckel genug erforscht habt, dann könnt ihr sie spenden. Mehr dazu erfahrt ihr unter http://www.deckel-gegen-polio.de

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Um zwei Dinge würde ich dich sehr gern bitten:

  1. Wenn du die Forscherkarteien mit deinen Kindern ausprobiert hast, wäre es für mich sehr hilfreich, wenn du mir ein Feedback gibst (kontakt@mandyfuchs.de). Was hat super gut funktioniert und was eher nicht? Welche Hinweise hast du zur Gestaltung, zum Layout, zu den Inhalten, usw.?
  2. Wenn dir die Forscherkarteien so gut gefallen, dass du sie weiter empfehlen möchtest, dann solltest du ausschließlich auf http://www.lehrermarktplatz.de verweisen und das Urheberrecht (©Matheforscher) beachten. Nur dann darfst du auch gern Fotos bei Instagram oder Facebook mit den Ideen deiner Kinder posten! Bitte vervielfältige die Forscherkartei nicht einfach für deine Kolleginnen und Kollegen! Dies ist ausdrücklich nicht gestattet!

Also ich bin schon gespannt, wie sie dir gefällt und freue mich von dir zu hören. Viel Freude bei der Deckelmathematik!

Beste Grüße, Mandy Fuchs

Individuelles Lernen mit Forscherblättern

Immer wenn meine kleinen Matheforscher die mathematische Welt mithilfe von Alltagsmaterialien erforschen, rege ich sie an, Forscherblätter zu ihren Entdeckungen zu gestalten. Darüber habe ich euch hier im Blog schon des Öfteren berichtet. Immer wieder werde ich gefragt, was denn überhaupt solche Forscherblätter sind und wie die Kinder sie erstellen. Darum soll es heute gehen.

Aber zunächst frage ich dich als Lernbegleiterin einer Schulklasse oder einer Kindergartengruppe oder auch als Lernbegleiter deines eigenen Kindes heute noch einmal: Was meinst du, wie funktioniert lernen? Wie lernst du am besten? Was für ein Lerntyp bist du? Ich zum Beispiel bin ein sehr strukturierter Typ, ich liebe systematische Übersichten. Am besten, wenn ich sie mir selbst und allein erarbeite. Aber ich probiere auch gern mit anderen etwas aus. Und du? Brauchst du Bilder, musst du es selbst tun oder brauchst du die Diskussion mit anderen? Probierst du auch gern etwas aus oder bist du eher ein kreativer Chaot, der intuitiv vorgeht? Wie auch immer! Alles hat seine Berechtigung und jedes Vorgehen ist wertvoll! Ja und so wie wir Erwachsenen ganz unterschiedliche und individuelle Lernwege beschreiten, tun es auch unsere Kinder … wenn man sie lässt! Sie haben vielfältige Ideen, gehen unterschiedlich vor, lernen in ihrem eigenen Tempo, gern auch mit anderen und nutzen ihre eigenen und ganz intuitiven Theorien.

Ursprünglich ist Lernen durch folgende noch immer geltenden Merkmale geprägt:

  • Der Antrieb zur Nachahmung: Kinder beobachten und machen nach, sie brauchen also Vorbilder an denen sie sich orientieren können (Rolle von Eltern und von pädagogischen Fachkräften).
  • Der unaufschiebbare Drang zur Selbständigkeit: Kinder fühlen sich unwohl und missverstanden, wenn ihnen alles abgenommen und erklärt wird. Sie wollen nicht in eine passive und unmotivierte Konsumentenrolle gedrängt werden.
  • Die Zurückweisung von Belehrungen: Kinder wollen Selbsterfahrungen sammeln und Selbstwirksamkeit erleben, sie brauchen deshalb Aufgaben, an denen sie wachsen können.
  • Körpererfahrungen: Kinder wollen mit allen Sinnen lernen, die Welt „begreifen“ und ihren Bewegungsdrang ausleben.
  • Die soziale Dimension von Lernen und Bildung: Niemand kann in Isolation lernen, Kinder brauchen Bindungspersonen und Gemeinschaften, in denen sie sich wohl und aufgehoben fühlen, denn ohne Bindung kann keine Bildung stattfinden.

Ausgangspunkt moderner Lernkonzepte, die aktuell in der Pädagogik diskutiert werden, ist zudem die Vorstellung, dass jedes Kind seine Welt selbst erobert. Das meint, der Lernende eignet sich Lerngegenstände aktiv auf der Grundlage bereits vorhandener individueller Handlungs- und Denkstrukturen sowie bisheriger Erfahrungen an. Sowohl das entdeckende Lernen als auch eine angemessene Lernbegleitung spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Diese – man nennt sie ko-konstruktivistische – Sichtweise betont neben der Eigenständigkeit des Kindes ebenso seine Neugier und seinen Forscherdrang von Natur aus. Jedes Kind möchte lernen und seine Umwelt erforschen, um seinem Bedürfnis nach Erleben von Kompetenz und Wirksamkeit, nach Autonomie und Selbstbestimmung nachzugehen. Das Lernen liegt demnach in der Verantwortung des Kindes, welches sich als kompetenter Akteur von Geburt an autonom mit seiner Umwelt auseinandersetzt. Lernen ist also ein Prozess der Selbstorganisation, wobei insbesondere die Stärken und individuellen Gaben jedes Menschen in den Mittelpunkt rücken. Lernen ist demzufolge immer individuell und von Mensch zu Mensch verschieden.

„Jedes Kind zeichnet sich durch eine eigene Persönlichkeit aus. Es beschreitet individuelle Wege, um ein Verständnis für seine Umwelt aufzubauen und Dingen eine Bedeutung, einen Sinn zu verleihen. Die pädagogisch Handelnden werden dem durch die Individualisierung von Bildungsprozessen bei der gemeinsamen Gestaltung der Interaktion gerecht.“ (Fthenakis u.a. 2009, S. 30)

In meinen Projekten biete ich zum Beispiel meinen kleinen Matheforschern anregende Lernumgebungen. Oft sind es Alltagsmaterialien (z.B. Gummibären, Wattestäbchen, Centstücke, Wäscheklammern, Deckel von Getränkeflaschen, …) mit einem hohen mathematischen Potenzial zum Zählen, Sortieren, Strukturieren, Rechnen, Problemlösen, Knobeln, kreativen Gestalten, Experimentieren und Entdecken. Ich rege die Kinder an, diese Materialien selbst zu erforschen und eigene Forscherfragen zu finden. Wenn sie dann diesen selbst gestellten Forscherfragen auf den Grund gehen, haben sie die Möglichkeit, über Ziele, Inhalte, Tempo, Vorgehensweisen und Lernformen individuell zu bestimmen. Kleine Matheforscher lernen so stets selbstbestimmt, interessenorientiert, eigenverant-wortlich, selbstorganisiert, sehr differenziert und individuell. Sie lernen nachhaltig und mit viel Freude. Ihre Forscherergebnisse stellen sie oft auf einem Forscherblatt zusammen, welches sie in der Auswertungsphase dann auch präsentieren. Somit haben wir eine gute Grundlage, um miteinander ins Gespräch zu kommen und über geniale Ideen oder aber auch fehleranfällige Strategien zu diskutieren.

Ich werde also immer wieder gefragt, wie solche Forscherblätter aussehen und wie meine Matheforscher sie anfertigen? Meine Antwort lautet: Ganz individuell! Damit ihr liebe Blogleser und Blogleserinnen eine Vorstellung von solchen Forscherblättern bekommt, stelle ich euch heute einige vor.

Zwei Beispiele für Forscherblätter von Vorschulkindern

Im Sommer haben wir uns mit dem Erforschen von Eiskugelmöglichkeiten beschäftigt. Herauszufinden waren viele (oder sogar auch alle) Möglichkeiten, die es gibt, wenn man drei Kugeln Eis kauft und es beim Eismann genau drei Sorten, z.B. Schoko, Erdbeere und Vanille gibt. Das sind die Forscherblätter von Lara, Leonardo und Paul:

lara2_neu leonardo2_neu

paul2_neu

Immer wieder erforschen meine Kinder gern den Inhalt von Smartiespackungen. Hierzu stelle ich euch demnächst auch die Forscherkartei (wie die Forscherkartei zur Gummibärenmathematik) zur Verfügung. Hier seht ihr wie Lanis und Leonardo, zwei 6-jährige Matheforscher, die Farbverteilung der Smarties auf ihrem Forscherblatt in einem Schaubild dargestellt und miteinander verglichen haben:

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Vier Beispiele für Forscherblätter von Grundschulkindern

Zwei Drittklässler haben hier ihre Entdeckungen am Kalender auf einem Forscherblatt dargestellt:

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Als wir uns mit Fermiaufgaben beschäftigt haben, hatte Helen (4.Klasse) die Idee, zu diesem Aufgabentyp ein Infoblatt für andere Kinder am Computer zu erstellen. Dies setzte sie total eigenständig in nur einer Forscherstunde am Klassen-PC um. Klicke hier, um es dir anzusehen: fermi

Manchmal enthält ein Forscherblatt auch „nur“ die übersichtliche Darstellung eines Rechenweges oder verschiedener Lösungsmöglichkeiten wie hier, bei einer Fußballknobelei:

helen_fusball_neu

Jannis (3. Klasse) liebt Zahlen- und Rechentricks und bringt diese oft mit in die Schule zum Matheunterricht. Einmal durfte er nicht nur den Trick vorführen und seine Klassenkameraden beeindrucken, sondern auch ein Forscherblatt dazu erstellen. Leider behielt er es wie ein wahrer Rechenkünstler für sich, wie genau der Trick funktioniert! Zum Ansehen seines Forscherblattes klicke hier: jannis-zahlentrick

So ich glaube eins ist ganz deutlich geworden: Für das Erstellen von Forscherblättern gibt es kein Rezept und keine Anleitung. Unsere Aufgabe als Erwachsene ist es, jedes Kind, also jeden kleinen Weltentdecker und Matheforscher, je nach subjektivem Lerntyp ganz individuell zu begleiten und dabei seine spezifischen Bedürfnisse, Stärken und Ideen zu berücksichtigen. Bei einem Forscherblatt gibt es eigentlich auch kein „richtig“ oder „falsch“. Und das wichtigste: Jedes Forscherblatt ist einmalig! So wie jedes Kind!

Ich wünsche euch viele tolle Augenblicke und AHA-Erlebnisse, wenn eure Kids Forscherblätter erstellen!

Bis bald Mandy Fuchs