Archiv der Kategorie: Alltagsmathematik

Ein Mathebuch der anderen Art

Hast du gewusst, dass 2 Fußballmannschaften auf die Zunge eines Blauwales passen und dass die Riesenvogelspinne so groß ist, dass sie einen Essteller ausfüllt? Ich nicht und mich bringt es wirklich zum Staunen, so wie die unsagbar vielen anderen spannenden Vergleiche in „Das großen Buch der Vergleiche“. Dieses Buch ist zurzeit mein Lieblingsbuch aus der Welt der Mathematik und ihr solltet es wirklich für eure Forscher- oder Leseecke in der Schule, in der Kita oder zu Hause anschaffen. Warum? Das möchte ich euch jetzt erzählen. (Übrigens hab ich das Buch selbst gekauft und wurde nicht beauftragt dafür Werbung zu machen.)

IMG_4173

Was ist groß? … Mit dieser Frage beginnt das Buch. Die Größe von etwas, das man noch nie (oder nur selten) gesehen (oder selbst erfahren) hat, kann man sich schwer vorstellen. Erst recht, wenn es ultraschwer, klitzeklein, megaschnell oder riesig hoch ist. Zwar kann man Größen messen, aber für manche Matheforscher und Matheforscherinnen sagt so eine Zahl nicht viel aus. Da hilft es wirklich, die Größe mit etwas zu vergleichen, was man gut kennt oder schon mal gesehen bzw. gefühlt hat. Was man zum Vergleichen aussucht, ist eigentlich egal, es darf witzig, ungewöhnlich oder herrlich verblüffend sein. Hast du zum Beispiel geahnt, dass eine typische Kumuluswolke einen Durchmesser von etwa 1 km hat und ungefähr 500 000 Liter Wasser enthält. Diese Wolke würde ca. so viel wiegen wie 83 Elefanten.

Liebe Mathematiklehrerinnen und Mathematiklehrer aufgepasst. Wenn ihr die verschiedenen Größenbereiche im Mathematikunterricht behandelt, egal ob Längen, Gewichte, Zeiten usw., ist es nicht das Ziel, dass die Kids gut umrechnen bzw. von einer Einheit in eine andere umwandeln können. NEIN!!! Vorstellungen zu den verschiedenen Größen gilt es zu entwickeln! Und genau dafür ist dieses Buch einfach genial.

Auf insgesamt 40 Doppelseiten wird jeweils ein spannendes Thema vorgestellt. Und dabei gibt es sooooo viel zu entdecken, dass es wohl mehr als ein Jahr braucht, um wirklich alles aufzuspüren.

IMG_4174

Das große Buch der Vergleiche macht also Größen für Kinder begreifbar. Denn wenn man sagt: „Eine Giraffe ist 5,50 Meter groß.“, können Kinder damit wenig anfangen, sie können es sich nicht oder nur schwer vorstellen. Aber wenn man sagt: „Eine Giraffe ist so groß wie drei Menschen.“, dann ist das viel interessanter! Und die höchsten Bäume, die Riesenmammutbäume, sind so hoch wie 21 Giraffen. 7 Mammutbäume sind so hoch wie das höchste Gebäude der Welt, das Burj Khalifa. Und wenn man das Burj Khalifa 11 mal übereinander stapeln würde, dann hat man die Höhe des Mount Everests. Das alles ist aber natürlich nicht als Text im Buch, sondern in tollen Bildern!

IMG_4175

Übrigens kann das Buch mit seinen vielen Ideen und Vergleichen Kinder und ihre Lernbegleiter in der Kita oder Grundschule dazu anregen, ein Lapbook über bestimmte Größen anzufertigen. Was das ist und wie das geht erfährst du hier im Material: Mein Lapbook Größen. Gern kannst du auch nochmal meinen Blogbeitrag dazu nachlesen: Größenexperten vermessen die Welt.

10527_Mein_Lapbook_Groessen_Mathematik_Grundschule

Aber weiter im großen Buch der Vergleiche. Das ist auch noch eine meiner Lieblingsseiten „Große Krabbler“. Hier sind einige Tiere in Originalgröße abgebildet. Zum Beispiel die größte gemessene Achatschnecke (39,3 cm lang!) oder der Bläuling als kleinster Schmetterling der Welt.

IMG_4178

Eine geniale Idee ist auch, sich bei Höhenrekorden die Einheit selbst auszusuchen: Links mit Kilometermaßstab oder rechts mit Bleistiftlängen.

IMG_4177

Und weil ich selbst einen Wellensittich habe, gefällt mir auch die Idee, Rechenaufgaben zu lösen: Wie viele Exemplare bestimmter Tiere bräuchte man, um einen Blauwal aufzuwiegen? (Stellt sich mir natürlich die Frage: Wie viele Wellensittiche schwer ist eigentlich ein Blauwal?)

IMG_4179

So könnte ich jetzt noch stundenlang weitermachen. Aber ihr solltet selbst einen Blick ins Buch werfen. Vielleicht braucht ihr dazu ja noch den Rat einer wirklichen Kinder- und Jugendbuchexpertin. Bei meiner Recherche zu diesem Buch bin ich auf den Blog von Brigitte Wallinger gestoßen: Brigitte Wallingers Kinderbuchblog (Es lohnt sich übrigens wirklich, mal dort vorbei zu schauen: www.wallinger.at) Ihrer Rezension kann ich mich voll und ganz anschließen. Hier mal ein paar Auszüge:

Leselevel: ♦♦♦◊◊
Wissenssteigerung: ♦♦♦♦♦
Humor: ♦♦♦♦◊
Spannung: ♦♦♦♦♦
Gefühl: ♦♦♦♦♦
Elternvergnügen: ♦♦♦♦♦

Zielgruppe: ab 6 Jahren

96 Seiten; gebundene Ausgabe um € 16,95

Themen: Natur, Naturwissenschaften, Vergleiche, Sachbuch

Das große Buch der Vergleiche: Groß wie ein Wolkenkratzer, klein wie eine Maus überrascht mit witzigen Vergleichen: Die Zunge des Blauwals ist so groß, dass 2 Fußballmannschaften darauf passen. Ein Nashornkäfer kann das 100-fache seines Körpergewichts stemmen, das ist, als würde ein Mann 1 Afrikanischen Elefanten + 1 Breitmaulnashorn stemmen. Unsere Mundspeicheldrüsen produzieren pro Jahr so viel Speichel, dass man damit 3,5 Badewannen füllen könnte (ja, das ist eklig, aber wahr!). Und all diese Zahlen werden nicht nur beschrieben, sondern auch noch bildlich dargestellt. Perfekto!

Wie sollen sich Kinder die Größe oder das Gewicht von etwas vorstellen, das sie noch nie gesehene haben, noch dazu, wenn sie eigentlich nicht wissen, wie schwer 1 Tonne oder wie hoch 100 Meter sind? Durch Vergleiche mit Dingen, die Kinder kennen, veranschaulicht dieses tolle Sachbuch interessante naturwissenschaftliche Fakten zu den Themen Mensch, Tiere, Pflanzen, Weltall, Naturkatastrophen wie Lawinen und Erdbeben, Energie, Wetter, Wasser (inkl. Ozeane und Tiefsee), Höhe (Tiere, Bäume, Gebäude, Berge), Sphärische Höhe (alle Höhenangaben erfolgen in km sowie der Anzahl übereinandergestapelter Bleistifte), das Erdinnere, Temperatur, Rekorde, Sonnensystem, Weltraum, Schwerkraft, Dinosaurier, Sport, Maschinen, Physik, die Sinne und die Geschichte der Erde. Kurz: Alles, was Kinder an naturwissenschaftlichen Informationen wissen wollen und sollen steckt in diesem Buch, und zwar so erklärt, dass man sich was darunter vorstellen kann und es sich merken kann (Das macht dieses Buch zu einem idealen Geschenk für praktisch jedeN). Und die Illustrationen von Paul Boston sind auch genial, sodass auch die Augen der Kids bestens unterhalten werden. Dieses Buch ist ein perfektes Rundumpaket, ein erstklassiges Sachbuch, das die Kinder bestens unterhält.

Die letzte Doppelseite des Buches ist dann noch für die Forscherergebnisse kleiner Matheforscher reserviert. Hier dürfen sie eigene Vergleiche austüfteln und berechnen.

IMG_4180

Danach gibt es ein großes alphabethisches Sachregister, so dass man auch mal nach etwas ganz Speziellem suchen kann. Und die allerletzte Seite beschreibt, wo der Durchschnitt herkommt. Ideal zum Einsatz im Mathematikunterricht der Grundschule oder der weiterführenden Schulen, wenn dieses Thema „Durchschnittsberechnungen“ und „Näherungswerte“ dran ist.

Also mein Fazit: Dieses Buch hat mich rundum begeistert, so muss ein mathematisches Sachbuch für Kinder sein: kreativ, spannend, mit vielen genialen Illustrationen und einprägsamen Fakten. So bekommt jeder einen neuen, spannenden und vor allem mathematischen Blick auf unseren Planeten. Und ganz nebenbei lernen nicht nur die Kinder ganz viel über Mathematik!

Weitere tolle mathematische Kinderbücher findest du hier: Kinderbücher

Bis bald, eure Mandy Fuchs

Einmaleinsforscher

Wie kann ich die Multiplikation handelnd einführen? Wie erlangen meine Kinder ein sicheres Operationsverständnis von der Multiplikation? Was kann ich tun, damit die Kinder die Einmaleinsfolgen sicher beherrschen? Wie kann ich die Malfolgen spielerisch (auch zu Hause) üben und wiederholen? Kann ich auch schon in der Kita was in Richtung Malrechnen machen? Solche Fragen hast du dir bestimmt auch schon mal gestellt, oder? Na dann sei gespannt auf den neuen Blogbeitrag. Hier erfährst du heute tolle Ideen genau dazu.

Welche Materialien sind fürs Einmaleins gut geeignet?
Also wie du ja weißt, bin ich ein Fan von Alltagsmaterialien, denn sie sind einfach, billig und genial. Hinzu kommt für ein nachhaltiges Verständnis der Multiplikation, dass man sie irgendwie gut bündeln kann. Zum Beispiel kann man Wäscheklammern super bündeln (zusammen klammern) und erhält z.B. „Drillinge“ (oder „Dreier“) und „Vierlinge“ (oder „Vierer“). Ja ich bin absolut dafür, dies auch sprachlich mit diesen Begriffen so zu begleiten. Dies fördert das simultane Mengenerfassen und ist auch eine gute Übung im Kindergarten: „Klammer immer vier Klammern zu Vierlingen zusammen.“ In der Schule können die Kids dann Wäscheklammern zusammenklammern und Malaufgaben dazu schreiben. Das macht auch zu Hause mit dem Klammerkorb viel mehr Spaß, als stupide Malaufgaben auswendig zu lernen. Und wenn du noch mehr coole mathematische Ideen mit Wäscheklammern suchst, dann schau dir einfach mal die Forscherkartei zur Wäscheklammermathematik an: Hier findest du sie für die Kita und hier für die Grundschule.

Das Bündeln geht natürlich auch super gut mit Gummiringen (Kennst du eigentlich schon meine Forscherkartei zur Gummiringemathematik? Nein, dann schau sie dir hier mal an: Gummiringemathematik in der Kita und Gummiringemathematik in der Grundschule). Zum Beispiel kann man mit Gummiringen super gut gesammelte Korken bündeln. Die sind einfach genial für Kinderhände. (Falls du lieber neue verwenden möchtest, dann frag mal beim Weinhändler oder Winzer nach oder bestell dir einfach einen Karton im Handel. Die gibt es wirklich günstig. Aber was spricht gegen gebrauchte?) Im Kindergarten bündeln die kleinen Matheforscher super gern, wobei man ihnen den Tipp geben kann (aber nicht muss), dass es immer gleiche Anzahlen sind, z.B. Drillinge, Vierlinge oder Fünfer.

Und mit den Korken-Drillingen können eure Matheforscher auch cool bauen und Muster gestalten. Das geht auch schon im Kitaalter gut. Im Mathematikunterricht zum Thema Einmaleins können die Grundschulkids dann natürlich die jeweiligen Malaufgaben zuordnen und eine kleine Malaufgabenausstellung aufbauen. Auch zu Hause ist so ein Üben wieder viel nachhaltiger als formale Aufgaben des kleinen Einmaleins abzuarbeiten. Denn was die Kinder mit Begeisterung tun und sogar anfassen können, „begreifen“ und behalten sie echt viel schneller.

Ja und im Matheunterricht könnte es dann vielleicht auch so aussehen, wenn deine Schülerinnen und Schüler mit Korken die Einmaleinsfolgen erforschen.

Noch ein geniales Material für das Erforschen der Multiplikation (das ihr garantiert alle im Schreibtisch zu liegen habt) sind Büroklammern. Mit ihnen können eure Matheforscher tolle Einmaleinsketten herstellen. Ein Impuls dafür könnte lauten: „Stelle eine Einmaleinskette zu deiner Lieblingsmalfolge her. Verwende zwei Farben.“ Oder: „Verbinde Büroklammern so, dass du eine Kette zur Zweierfolge, eine Kette zur Viererfolge und eine Kette zur Achterfolge erhältst. Benutze immer zwei Farben.“

Das macht natürlich auch zu Hause oder bei Mama oder Papa im Büro Spaß und die Kids merken gar nicht, dass sie Mathe üben.

Für kleine Matheforscher im Kitaalter können Büroklammern vielleicht ein wenig zu klein sein. Hier könnt ihr z.B die bunten Kettenglieder verwenden.

Ja und mein letzter Materialtipp sind Schachteln!!!! Und die von Toffifee (Achtung Werbung! Aber ich kaufe alle Schachteln selbst!) sind einfach genial, weil sie zum einen eine super gute Struktur haben und sich zum anderen ganz leicht zerschneiden lassen. Da schaffen auch schon Vorschulkinder mit der Schere immer gleich viele Dreier oder Fünfer abzuschneiden.

Aber generell sind alle Schachteln gut geeignet, da sie den räumlich-simultanen Aspekt der Multiplikation betonen. Bisher haben wir hier im Beitrag vor allem den zeitlich-sukzessiven Aspekt der Multiplikation verfolgt, denn durch das Bündeln haben wir nacheinander gleiche Mengen erhalten. Und durch wiederholte Addition sind wir zur Multiplikation gekommen. Jetzt können wir die Kinder anregen, eine Malaufgabe (und auch die Tauschaufgabe) in einer Schachtel zu entdecken. (Übrigens habe ich auch zu Schachteln eine Forscherkartei entwickelt. Du kannst sie hier anschauen: Schachtelmathematik in der Kita und Schachtelmathematik in der Grundschule.) Aber das Operationsverständnis der Multiplikation fördern wir durch vielfältige Aktivitäten. Deshalb finde ich auch das Zerschneiden von Schachteln so genial.

So und zum Schluss noch ein paar didaktisch-methodische Tipps:

• Lass jedes Kind selbst entscheiden, welche Einmaleinsfolgen es herstellen oder welche besonderen Malaufgaben es erforschen möchte. Diese Offenheit stärkt die Individualität jedes Kindes und trägt super zur Differenzierung bei.

• Je offener du die Impulse für die Kinder formulierst, desto mehr Möglichkeiten bieten sich mathematische Phänomene zu entdecken.

• Da du sicher nicht immer so viel Material hast, dass alle Kinder gleichzeitig damit forschen und entdecken können, bieten sich vor allem in der Grundschule Forscherstationen an. Du könntest also in deinem Klassenraum insgesamt 4 Forscherstationen (zu jedem Material eine) aufbauen. Deine Matheforscher wählen selbst eine Station aus oder durchwandern nach einem Plan jede Station nacheinander.

Na hast du Lust bekommen, das Einmaleins bzw. die Multiplikation so umzusetzen? Na dann kannst du gleich loslegen. Ich wünsche dir und deinen kleinen und größeren Matheforschern sowohl im Kindergarten als auch in der Grundschule oder zu Hause wie immer ganz viel Spaß beim Matheforschen.

Eure Mandy Fuchs

Hier findet ihr alle meine Forscherkarteien in einem günstigen Gesamtpaket!

https://lehrermarktplatz.de/material/38862/neu-forscherkartei-gesamtausgabe-grundschule

Und hier das große Kitapaket Mathematik:

https://lehrermarktplatz.de/material/33875/grosses-kitapaket-mathematik

Upcycling und Inklusion?

Ja du hast richtig gelesen: Ich möchte zwei wahrscheinlich für dich erst einmal total konträr erscheinende Begriffe zusammenbringen. Und dann noch für dich wirklich nützliche Tipps für deinen Praxisalltag in der Grundschule oder in der Kita davon ableiten. Geht nicht? Na dann viel Spaß beim Lesen!

Also fangen wir ganz kurz mit den beiden Begriffen an: Beim UPCYCLING werden Abfallprodukte oder (scheinbar) nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umgewandelt (Danke Wikipedia!). Ich formuliere das für uns Mathepädagogen mal so: Es gibt viele tolle (und auf den ersten Blick für das Lernen von Mathematik und für den Mathematikunterricht erst einmal scheinbar nutzlose) Alltagsmaterialien, die ein echt großes mathematisches Potenzial haben. Aber manchmal merken wir es gar nicht oder werden von den vielen tollen Materialien von Herstellern von Unterrichts- und Spielmaterialien geblendet. Bitte versteht mich nicht falsch, ich habe nichts gegen diese Hersteller und auch nichts gegen die Materialien. Ich selbst schaffe mir gern auch mal gute Sachen an, wie aktuell die SumBlox. Und viele andere tolle Mathematerialien findet ihr hier auf meiner Seite mit Tipps für Spiele. Ich denke: Wie so oft kommt es auf die gute Mischung an.

Aber zurück zum Upcycling. Für Mathematik scheinbar nutzlose Alltagsmaterialien können durch das Aufsetzen der „mathematischen Brille“ in geniale „Werkzeuge“ zum Entdecken der mathematischen Welt umgewandelt, also upgecycelt werden. Was das für Materialien sind? Kennt ihr alle: z.B. Wäscheklammern, Wattestäbchen, Deckel von Getränkeflaschen, Münzen, Schachteln, Eisbecher, Zettel aus der Zettelbox, Gummiringe, Büroklammern oder auch Naturmaterialien wie Kastanien oder Muscheln. Oft sind es also Dinge, die man zu Hause oder im Büro hat und mit den Kindern und deren Eltern gemeinsam sammeln kann. Und für alle, die es bereits an dieser Stelle nicht mehr aushalten können, gibt es hier schon mal den Link zu einem tollen Materialipaket.

Forscherkartei_alle 8_Cover

Und nun zum Begriff INKLUSION. Damit du diesen Abschnitt jetzt nicht auslässt, erspare ich mir und dir viele Definitionen und versuche es gleich mit meinen eigenen Worten und bezogen auf das Lernen von Mathematik. Also meine Philosophie eines inklusiven Mathematikunterrichts ist, wenn jedes Kind individuell nach seinen ganz persönlichen Bedürfnissen Mathematik lernen darf. So einfach? So einfach! Und genau dafür brauchen wir ein vielfältig buntes Repertoire an Organisationsformen, Methoden und Materialien. Und genau das haben wir ja! Das alles gibt es. Eine der größten Herausforderung eines jeden Lernbegleiters in der heutigen Zeit besteht nämlich genau darin: durchdacht auszuwählen und das passende für sich selbst und für seine kleinen und großen Matheforscher heraus zu finden. Denn Rezepte für einen inklusiven Mathematikunterricht und überhaupt für DEN besten Weg Mathematik zu lernen und zu begreifen gibt es nicht wirklich. Was es gibt, sind pädagogische Grundpositionen sowie didaktisch-methodische Grundorientierungen sowohl in der Grundschule als auch in der Kita. Und auf der Basis einer soliden Ausbildung in Kombination mit der täglichen Reflexion der eigenen Arbeit (einschließlich eigener Haltungen und Einstellungen) kann es gut gelingen, eine für dich und deine Matheforscher passende Lernumgebung zu gestalten und dabei inklusive Werte umzusetzen. Ja ich weiß, nicht immer sind die dafür auch notwendigen Rahmenbedingungen gegeben! Leider!

Aber zurück zum Thema Upcycling und Inklusion. Lass es uns konkret machen. Wir wählen ein Material: Gummiringe! Die hat fast jeder zu Hause, weil sie im Haushalt einfach nützlich sind. Wenn jedes Kind deiner Klasse oder Gruppe nur eine Handvoll Gummiringe mitbringt, reicht das schon ganz gut zum Forschen. Und wie kannst du Gummiringe nun für Mathe „upcyceln“? Frag doch einfach deine Kinder im Einstiegskreis. Gib jedem einen Gummiring und macht ein Brainstorming: „Lasst uns Ideen sammeln, wie wir mit Gummiringen Mathe lernen können?“ Und schon hier wirst du staunen, welche genialen Einfälle deine Matheforscher haben. Jeder darf mitmachen, jede Idee ist erlaubt, alles wird notiert. Und dann könnt ihr gemeinsam schauen:

  • Welche Ideen kann man sofort umsetzen?
  • Wie viel Mathematik steckt in den Ideen?
  • Was brauchen wir für die Umsetzung?
  • Wie wollen wir einzelne Ideen umsetzen?

Viele von den Ideen der Kinder habe ich in der Forscherkartei zur Gummiringemathematik aufgegriffen und umgesetzt. Denn Gummiringe eignen sich wunderbar zum Schätzen, Sortieren, Zählen, Spannen, Schnipsen, Muster legen und auch zum kreativen Gestalten. Sie können ausgemessen (Länge, Durchmesser, Umfang) und aneinander gekettet werden. Somit kann vor allem der Größenbereich Länge wunderbar umgesetzt und angewendet werden. Und natürlich gibt es viele tolle Ideen für die Arbeit am Geobrett. Du siehst also, dass Gummiringe viele Möglichkeiten bieten, die Welt der Mathematik kindorientiert und individuell zu „begreifen“. Egal ob Ben und Lea einen Gummiringe-Weitflug-Wettbewerb durchführen wollen und dabei die Flugweiten mit Schritten oder Maßbändern messen und vergleichen. Oder ob Emma und Tom erst einmal viele bunte Gummiringe über Papprollen spannen. Oder ob Esrah und Hakan testen wie weit man Gummiringe auseinanderziehen kann und feststellen, dass es bis zum Vierfachen ihrer Ursprungslänge klappt. Oder oder oder! Jedes Kind kann Gummiringe individuell nach seinen Bedürfnissen erforschen. Und am Ende könnt ihr alle eure wunderbaren Ideen zusammentragen, eine Ausstellung mit Forscherblättern gestalten und darüber diskutieren was ihr mit eurer Gummiringemathematik gelernt habt. Einfach toll! Sag ich doch: Upcycling und Inklusion!

Ich habe für alle, die in der Grundschule arbeiten, insgesamt 18 Forscherkarten zum Forschen mit Gummiringen direkt mit Impulsen und Fotos für die Kinder erarbeitet. Und du bekommst auch 5 Karten mit Ideen für den Einsatz der Karten in deinem inklusiven Matheunterricht. Ich bin ja ein Fan von Forscherstunden. Und da habe ich dir ja schon viele Beispiele hier im Blog dafür gegeben, wie du sie durchführen und wie du Forscherblätter gestalten kannst.

Eins steht jedoch fest, du kannst die Karten nicht eine nach der anderen mit allen Kindern „abarbeiten“. Inklusion bedeutet nämlich auch loslassen können und den Kindern Wahlfreiheit und Eigenverantwortung übertragen. Das können sie nämlich gut, wenn man sie lässt und es ihnen zutraut. Also lass sie doch einfach selbst Karten auswählen und damit Forscherstationen aufbauen oder integriere die Gummiringemathematik als eine Lernstation in deine Arbeit mit Lernwegen oder Lernstationen. Die Gummiringemathematik kann auch deine Wochenplanarbeit bereichern oder ins Freiarbeitsregal oder in eure Lernwerkstatt einziehen. Wichtig hierbei ist immer, dass jedes Kind mit dem Material eigene also selbst gewählte Ideen umsetzen darf. Also sich am besten auch eine eigene Forscherfrage stellt und diese dann versucht zu beantworten. Und wenn deine Matheforscher daran gewöhnt sind, dann klappt dies immer besser und: Jedes Kind lernt somit individuell nach seinen ganz persönlichen Bedürfnissen Mathematik.

So und nun sag aber nicht, dass es gar nicht so viele Forschermaterialien gibt. Doch die gibt es. Hier die Links zu allen bisher erschienenen Forschermaterialien. Es gibt mittlerweile 9 Themen in zwei Fassungen: einmal für die Grundschule und einmal für den Einsatz in der Kita. Nur die Gummiringemathematik für die Kita ist noch nicht fertig, wird aber schnellstmöglich nachgereicht!

Gummibärenmathematik Kita  Grundschule

Wäscheklammernmathematik Kita  Grundschule

Wattestäbchenmathematik Kita  Grundschule

Deckelmathematik Kita Grundschule

Münzenmathematik Kita  Grundschule

Schachtelmathematik Kita  Grundschule

Eisbechermathematik Kita  Grundschule

Zettelmathematik Kita  Grundschule

Gummiringemathematik Kita  Grundschule

So und zu guter letzt noch der Link zum großen Kitapaket:

Großes Kitapaket Mathematik

Na, hab ich es geschafft Upcycling und Inklusion für dich praxistauglich zu veranschaulichen? Und passt meine Philosophie für das Umsetzen einer kindorientierten Alltagsmathematik auch für dich? Dann darfst du es gern weiter sagen! Ich wünsche dir viel Freude beim Matheforschen!

Eure Mandy Fuchs

Zettelmathematik auch für die Kita

Für alle meine Follower aus dem Kitabereich gibt es neue Nachrichten: Die Forscherkarten zur Zettelmathematik für den Kindergarten sind fertig! Es sind 5 Karten für dich als Lernbegleiter mit Hinweisen wie du offene Forscherangebote mit Zetteln aus der Zettelbox durchführen kannst. Und dazu gibt es 9 Karten mit tollen Fotos, die als einfache Impulse für deine kleinen Matheforscher dienen. Super gut auch im Förderunterricht oder in Willkommensklassen einsetzbar.

Hier gehts zum Material: Zettelmathematik in der Kita

Zettelmathematik_Kita_Foto

Ganz viel Freude beim Zettelforschen!!!

mc3bcnzenmathematik_grundschule_cover-e1514718229235.jpg

Nachtrag: Gerade fertig geworden sind noch die

Münzenmathematik für die Kita

Eisbechermathematik für die Kita

Schachtelmathematik für die Kita

Auch hier für die jeweils ersten 50 von euch kostenlos!!!

Eure Mandy Fuchs

Schachtelmathematik

Pralinenschachteln werden in der nächsten Zeit wieder viele verschenkt. Nachdem die Schachteln leer gegessen wurden, sollte man sie nicht gleich in den Müll werfen. Es ist genau das perfekte Material für die geniale „Schachtelmathematik“, denn in den Schachteln stecken jede Menge mathematische Strukturen (Rechenaufgaben, Malfolgen, Zahlenmuster) und geometrische Formen (Vierecke, Symmetrien). Kleine Matheforscher können mithilfe der Forscherkartei viele Impulse und Ideen zur „Schachtelmathematik“ bekommen, denn für sie gibt es insgesamt 10 Karten. Sie können natürlich auch selbst spannende Forscherfragen entwickeln und dazu ihre Forscherblätter gestalten. Und Lernbegleiter erfahren auf insgesamt 6 Karten, wie sie z.B. eine Forscherstunde durchführen können. Nach der Gummibären-, Wäscheklammern-, Wattestäbchen-, Deckel- und Münzenmathematik ist die „Schachtelmathematik“ nun bereits die 6. Forscherkartei für einen aktiv-entdeckenden, kompetenzorientierten und individuellen Mathematikunterricht. Sie sollte in keinem Freiarbeitsregal fehlen!

Denn: Alle Kinder sind Matheforscher, denn sie erforschen gern Alltagsmaterialien mit einem hohen mathematischen Potenzial zum Zählen, Sortieren, Strukturieren, Rechnen, Problemlösen, Knobeln, kreativen Gestalten, Experimentieren und Forschen. Sie lernen nachhaltig und mit viel Freude. Mit selbst gewählten Forscherfragen haben sie hierbei die Möglichkeit, über Ziele, Inhalte und Lernformen individuell zu bestimmen. Kleine Matheforscher lernen mit der Forscherkartei selbstbestimmt, interessenorientiert, eigenverantwortlich, selbstorganisiert, sehr differenziert und individuell.

„Es ist widersinnig, die Schüler die Grundfähigkeiten üben zu lassen, die für Mathematik nötig sind, sie dann aber nicht auf die mathematische Spielwiese zu lassen, damit sie ihren Spaß haben können.“ (Matt Parker, 2015)

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Münzen: Glücksbringer oder Forscherimpuls

Du hast doch bestimmt auch schon mal eine Münze gefunden, oder? Und mal ehrlich: Hast du auch dreimal drauf gespuckt, weil dies Glück bringen soll? Na egal … Auch wenn du heute keine Münze findest, wünsche ich dir für das neue Jahr eine ganze Menge Glück, Gesundheit und Zufriedenheit.

Und als kleines Neujahrsgeschenk und als mein symbolischer Glücksbringer sozusagen, kannst du dir die Forscherkartei zur Münzenmathematik heute und morgen für nur 1€ downloaden. So kannst du mit deinen kleinen Matheforschern im neuen Jahr gleich richtig loslegen: Forschen, Experimentieren, Philosophieren und Entdecken!!! Und das alles mit vielen Centstücken (Ich habe dafür einfach 20€ bei der Bundesbank getauscht. Du kannst die Centstücke aber auch mit deinen Kindern sammeln.). Ganz nebenbei erwerben deine Matheforscher vielfältige Kompetenzen z.B. beim Schätzen, Wiegen, Rechnen, Vergleichen, Muster erkennen und viele andere mehr.

Und als ein kleines Extra dazu, gibt es auch die Matheforscher Erkundungstour für nur 1€. Mehr dazu erfährst du hier im Blogartikel: Matheforscher Erkundungstour.

So, nun aber sollten wir das alte Jahr ausklingen lassen. Für euch alle einen tollen Jahreswechsel und viel Glück (ob mit oder ohne Münzen)!!!

Eure Mandy Fuchs

Auf ins neue Matheforscherjahr

Liebe Leserinnen und Leser meines Blogs, liebe Fans meiner Webseite und liebe Matheforscherinnen und Matheforscher,

ich danke euch allen für dieses tolle Jahr 2017! Es war ein aufregendes und spannendes Jahr für mich und vor allem gemeinsam mit euch. Wir haben uns über viele tolle mathematische Ideen ausgetauscht, es gab eine Menge neuer Materialien und ich war mit sehr interessanten Themen unterwegs in MeckPomm und in anderen Bundesländern. Dabei durfte ich einige von euch persönlich kennen lernen. Das war für mich besonders bereichernd.

Ein spannendes neues Projekt in diesem Jahr war vor allem der neu konzipierte Matheforscher Onlinekurs. Eine Woche lang (die viel zu schnell verging) tauschten sich sehr engagierte Matheforscherinnen über zahlreiche mathematischen Themen aus. Es wurde viel diskutiert und dabei entstanden eine Menge neuer Praxisideen. Einfach toll!!! Und für alle, die diesmal nicht dabei sein konnten hier schon mal der Hinweis: Es gibt eine zweite Runde! Ihr werdet es bald hier erfahren.

Nun aber lasst uns das alte Jahr 2017 in Ruhe und Besinnlichkeit verabschieden oder mit Spaß und Knallerei loslassen, um all den neuen Herausforderungen des neuen Jahres 2018 Platz zu machen!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen wunderschönen Jahreswechsel! Rutscht gut rein und freut euch auf viele neue mathematische Ideen im neuen Jahr!

Eure Mandy Fuchs

binary-2231959_1920

 

Forschen im Mathematikunterricht

Sehr sehr viele von euch haben das Material zum HAUS VOM NIKOLAUS herunter geladen. Ihr habt es gemeinsam mit euren Matheforschern untersucht, spannende Forscherfragen entdeckt und tolle Forscherblätter dazu erstellt. Das ist einfach großartig!!! Und alle, die es verpasst haben das Material kostenlos zu bekommen haben nochmal eine 2. Chance:

Bis zum 3. Advent (17.12.2017) gibt es das Material zum Haus vom Nikolaus als Gratiszugabe zur Forscherkartei für kleine Matheforscher in der Grundschule. Mit dabei ist auch die neu erstellte Forscherkartei zur Münzenmathematik. Und das alles zum absoluten Aktionspreis. Schau gleich mal vorbei!

1512760218152

Im Material erfährst du,

  • wie du eine mathematische Forscherstunde durchführen kannst,
  • wie du deine Matheforscher gut beim Forschen begleitest,
  • was du alles an Materialien benötigst (das ist nicht viel und nicht teuer) und
  • vor allem, wie du es schaffst, dass sich deine Kids kompetenzorientiert mit mathematischen Inhalten aus der Welt der Mathematik auseinandersetzen und ganz nebenbei Alltagsmathematik erleben.

Screenshot (4)

Wer es weihnachtlicher mag, der kann ja das Nikolaushaus weiter erforschen. Für welches Thema ihr euch auch entscheidet, viele spannende mathematische Entdeckungen wünscht euch

Mandy Fuchs

 

Wie viel ist eine Million?

Kinder erleben die Faszination, die von sehr großen Zahlen ausgeht, wenn sie konkret eigene Vorstellungen von ihnen entwickeln können. Ich möchte euch hierfür ein Unterrichtsbeispiel vorstellen, welches ich selbst ausprobieren und erleben durfte. Ein Forschertag in einer 4. Klasse!

Als ich selbst noch unterrichtet habe (Ja ich gebe zu, das ist bereits einige Zeit her!), gestaltete ich meinen Mathematikunterricht vorrangig nach den Prinzipien des aktiv entdeckenden Lernens. Wichtig war mir dabei, dass die Kinder aktive Mitgestalter und Mitverantwortliche ihres Lernens waren, eigene Erfahrungen und Vorwissen einbringen konnten sowie Querverbindungen zu anderen Lernfeldern erkannten. So konnten sie schon damals als kleine Matheforscher die Welt der Mathematik als etwas Offenes, Spannendes und Schönes erleben.

Die Vorbereitungsphase

Bei der Erweiterung des Zahlenraumes bis 1 000 000, einem der ersten neuen Themen des vierten Schuljahres, probierte ich einen ganzheitlichen und offenen Einstieg aus. Ich plante einen Forschertag zum Thema „Wie viel ist eine Million?“ Ein wichtiges Ziel bestand darin, dass die Kinder ausgehend von ihren Alltagserfahrungen konkrete Vorstellungen zu großen Zahlen entwickeln und dabei die Faszination einer sehr großen Zahl erleben konnten. Gleichzeitig sollten sie selbständig verschiedene Darstellungsmöglichkeiten für große Zahlen erkunden und hierzu Eigenproduktionen gestalten. Bei der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung des Forschertages hatten die Kinder bereits gute Vorschläge und Ideen. Wir einigten uns darauf,

  • in Büchern und Zeitschriften nach großen Zahlen zu suchen,
  • Poster anzufertigen,
  • eine Ausstellung zum Thema „Wie viel ist eine Million?“ zu gestalten und
  • in zwei Gruppen zu arbeiten.

Die eine Gruppe wollte der Frage „Wie viel ist eine Million?“ nachgehen und eine Ausstellung vorbereiten, die andere Gruppe wollte große Zahlen im Alltagsleben erkunden und dazu verschiedene Poster anfertigen. Jedes Kind konnte sich selbst für die Mitarbeit in einer Gruppe entscheiden. In den Tagen vor dem Forschertag sammelten meine Matheforscher eifrig Materialien und tauschten Informationen aus.

Der Forschertag

Schon am Morgen vor Beginn des Unterrichts beobachtete ich ein reges Interesse unter den Kindern. Sie waren neugierig und jeder wollte wissen, welche Ideen und Materialien die anderen hatten. Schnell wurde der Klassenraum in eine Lernwerkstatt verwandelt und die Kinder begannen unabhängig voneinander in ihren Gruppen zu arbeiten, wobei die Lage der Gruppentische auch ein gegenseitiges Beobachten und Helfen zuließ. Als Orientierungshilfe gab ich jeder Gruppe die Kopie der jeweiligen Schulbuchseite.

IMG_4569

IMG_4566

Die Matheforscher der Gruppe „Große Zahlen im Alltag“ staunten über die interessanten Zahlenangaben. Beim Lesen der großen Zahlen halfen sie sich gegenseitig. Sie dachten gemeinsam über die Größe der jeweiligen Zahlen nach und suchten dann in ihren Materialien nach ähnlich großen und interessanten Zahlenangaben. Zugleich setzten sie sich mit dem jeweiligen Sachthema auseinander. Drei Mädchen interessierten sich z.B. für einen Artikel, in dem als „Zahl des Tages“ 2900 Hundeattacken genannt wurden, die im vergangenen Jahr auf deutsche Briefträger ausgeübt wurden und Kosten in Höhe von ca. 9,5 Mio. Mark (Ja es war noch zu D-Mark-Zeiten!) für Tetanusspritzen und Hosenreparaturen verursachten. Ein Junge war von seinem Rekordebuch fasziniert. Er fand auch hier große Zahlenangaben, die ihn interessierten, und schrieb sie sich heraus. Aus ausgeschnittenen Bildern und selbst gestalteten Texten entstanden verschiedene Poster, die am Ende des Forschertages der gesamten Klasse vorgestellt wurden. Dabei zeigte sich, dass die Kinder sehr vielfältige Zahlenangaben in Verbindung mit Sachthemen präsentierten, die meist aus ihrer näheren Umgebung oder aus einem sie interessierten Erfahrungsbereich stammten. Im Gespräch wurde aber auch deutlich, dass die meisten noch relativ geringe konkrete Vorstellungen von der Größe der Zahlen hatten. Dieses Ergebnis war natürlich zu erwarten. Wichtig war für mich vor allem, dass mit den interessanten Sachbezügen von vornherein ein formaler Umgang mit großen Zahlen verhindert wurde. Eine Vorstellung von der Größe einer Zahl zu haben war den Kindern nun von der Sache her bedeutsam.

Vorstellungsvermögen gefragt

Genau um diesen Aspekt ging es den Matheforschern der anderen Gruppe. Sie bemühten sich, Vorstellungen zur Zahl 1 000 000 zu entwickeln. Dabei gingen sie noch stärker als die Kinder der ersten Gruppe von der eigenen Erfahrungswelt aus und versuchten ausgehend von einer bekannten Zahl bzw. Größe bis 1 000 000 „hochzurechnen“. Sie arbeiteten weitestgehend selbständig, meist in kleinen Teams.

Anne und Tino hatten z.B. Reiskörner mitgebracht, 1000 davon abgezählt und in einen Becher gefüllt. Durch ihre Hochrechnung kamen sie zu dem Ergebnis, dass sie 1000 dieser mit Reiskörnern gefüllten Becher benötigen, um auf 1 000 000 Reiskörner zu kommen. Stolz stellten sie den Becher in unsere Ausstellung und legten ihr Forscherblatt dazu. (Sie verrieten mir, dass sie eigentlich eine Million Reiskörner abzählen wollten, dann aber schnell gemerkt haben, dass dies wohl den Zeitrahmen und ihre Ausdauer überschreiten würde.)

rice-2061877_1920

1 Becher =         1 000

10 Becher =       10 000

100 Becher =     100 000

1 000 Becher =  1 000 000

Tom arbeitete zu Hause mit seinem Opa gerade an einem Gartenteich und stellte sich diesen schon bildhaft vor. Er meinte, sein Teich sei ½ Meter tief und es seien 500 Liter Wasser darin. Dann berechnete er die Wassermenge für einen 1 Meter, 10 Meter und 100 Meter tiefen Teich und kam schließlich durch sein Hochrechnen darauf, dass ein 1 000 000-Liter-Teich 1 000 Meter tief sein müsste. Darüber staunte er sehr. Ich war über Toms Idee und seinen Rechenweg sehr begeistert, denn der Junge gehörte eigentlich zu den eher sehr ruhigen und zurückhaltenden kleinen Matheforschern, die sonst im Matheunterricht immer besonderen Unterstützungsbedarf brauchten.

Paul brachte einen Minilastwagen mit, auf dem sich eine DM-Münze befand. Sein Forscherblatt dazu sah so aus:

img_4574.jpg

Weitere Beispiele der Kinder bezogen sich auf die Anzahl der Haare eines Menschen und auf große Zahlen bei Fischen oder Vögeln. Fasziniert waren sie auch von hohen Altersangaben, z.B. bei Vulkanen und Gesteinen. Aron schrieb einen kleinen Text über die Urmenschen. Aufregend war schließlich noch der Vergleich zwischen dem Gewicht einer Maus und dem eines Elefanten. In einem Tierbuch stand, dass eine bestimmte Mäuseart ca. 6g und ein Elefant ca. 6t wiegen kann. Um eine Waage ins Gleichgewicht zu bringen, bräuchte es also 1 000 000 Mäuse. Und die stellten sich die Kinder dann in unserem Klassenraum vor, was bei vielen ziemlich großes Unbehagen auslöste, wie ihr euch vorstellen könnt.

Fazit

Die Einbeziehung der Kinder in die Planung und Vorbereitung des Forschertages erwies sich als sehr motivierend. Meine inhaltliche und organisatorische Offenheit ermöglichte es meinen Matheforschern, ihre Alltagserfahrungen, unterschiedliche Interessen sowie Vorkenntnisse sinnvoll für die Erkundungen zu großen Zahlen zu nutzen. Für das Erleben der Faszination großer Zahlen, für das Staunen über die gewaltige Größe der Zahl 1 000 000 spielten sicher die interessanten Sachthemen eine entscheidende Rolle. Zur Entwicklung einer aktiven Lernhaltung trug auch bei, dass die Kinder während des Forschertages erfuhren, dass sowohl erworbenes Wissen aus verschiedenen Unterrichtsfächern als auch Alltagserfahrungen und spezielles Wissen zu einem interessanten Sachgebiet für das Lernen im Mathematikunterricht notwendig und nützlich sind. Für mich war es aufschlussreich, dass alle meine Kinder (auch die eher leistungsschwächeren und auch die Kinder, die sonst vom Verhalten her nicht immer positiv aufgefallen sind) die offene und komplexe Lernsituation sehr gut annahmen. Ich konnte ihr engagiertes und durchweg motiviertes Verhalten gut beobachten und gewann so weitere Einsichten in ihre Interessen und individuellen Denkstile.

Ja und zum Schluss verrate ich euch, dass ich für diesen Blogbeitrag einen 16 Jahre alten Artikel rausgesucht habe. Ich habe ihn im Jahr 2001 für ein Schulbuchmagazin geschrieben und nur sprachlich ein wenig aufgepeppt. Ich war selbst überrascht, dass ich bereits damals die gleich Philosophie vom Lernen von Kindern vertrat wie heute. Nur heute kann ich diese Art der Lernbegleitung professioneller und fachlich fundierter begründen.

Ich wünsche euch wie immer viel Erfolg beim Matheforschen und freue mich auf eure Kommentare.

Mandy Fuchs

PS: Wenn ihr oder eure Matheforscher wissen wollen, wie viel eigentlich eine Million Euro wiegen, dann habe ich hier noch eine spannende Internetseite, auf der man das Gewicht von einer Million Euro ermitteln kann: http://1000000-euro.de/

Matheforscher Erkundungstour

In unserem Alltag sind wir fast überall von Mathematik umgeben. Eigentlich brauchen wir „nur“ die „mathematische Brille“ aufsetzen, um sie sehen zu können. Die Fotos hier können erste Impulse geben, wo überall Mathematik zu entdecken ist: in der Natur, in der Architektur, im Haus, im Straßenverkehr, im Supermarkt usw. Oft sind es eindrucksvolle Muster, manchmal versteckte Strukturen, gelegentlich Zahlenangaben mit verschiedenen Bedeutungen. Manchmal ergeben sich aber auch Möglichkeiten zum Schätzen, Zählen, Messen, Rechnen und Vergleichen.

DSC_6123   DSC06110

DSC06935  DSC06927

Über dieses enorme Potenzial von Alltagsmathematik sind wir uns eigentlich bewusst. Die größte Herausforderung besteht jedoch darin, dieses Potenzial aufzugreifen und so umzusetzen, dass die Kinder wirklich als kleine Matheforscher eigenaktiv und selbstbestimmt die mathematische Umgebung erkunden können. Und genau darum soll es in diesem Beitrag gehen: Wie kann ich mit kleinen Matheforschern auf eine mathematische Erkundungstour gehen? Wie kann eine solche Tour durch den eigenen Heimatort entwickelt werden? Welche Forscherfragen, Impulse oder Erkundungsaufträge sind für einen mathematischen Lernweg besonders geeignet?

Zunächst empfehle ich für die Einstiegsphase einen kleinen Gesprächskreis (Dieser kann je nach Vorbereitungszeit auch schon einen oder zwei Tage vor der Erkundungstour stattfinden). Hierbei können die Kinder gemeinsam mit dem Lernbegleiter darüber nachdenken, wie viel Mathematik eigentlich in der Umgebung der Schule oder der Kita bzw. im Heimatort zu entdecken wäre. Dabei können erste Beispiele für Zahlenangaben, Formen und besondere Muster gesammelt und vielleicht auch bereits auf Fotos näher betrachtet werden. Dabei benennen die Kinder ihnen bekannte Zahlen und geometrische Formen in ihrer ganzen Vielfalt. Auch über verschiedene Möglichkeiten zum Schätzen, zum Zählen, zum Messen und Rechnen können sich alle Teilnehmer der Matheforschertour austauschen. Dabei können bereits die verschiedenen Faltblätter der „Matheforscher Erkundungstour“ zur Orientierung genutzt werden (Du findest das vollständige Material hier bei Lehrermarktplatz.).

img_3999.jpg

Gemeinsam überlegen dann alle, was man mitnehmen sollte und wer was besorgen kann. Ich empfehle zum Beispiel folgende Dinge:

Wer einen spielerischen Einstieg (z.B. in der Kita oder in der ersten Klasse) bevorzugt, könnte in den Morgen- bzw. Gesprächskreis eine mit einem Tuch verdeckte Kiste mitbringen, in der sonst immer viele verschiedene Zahlen (aus Holz, Moosgummi, …) oder Formen (Dreiecke, Vierecke, Kreise) liegen. Beim Anheben des Tuches stellen alle entsetzt fest, dass die Zahlen (bzw. Formen) verschwunden sind. Ein perfekter Aufhänger, um mit den Kindern sofort in der Umgebung auf die Suche zu gehen.

Zur Vorbereitungsphase gehört auch, darüber nachzudenken, ob sich die Kinder evtl. in Gruppen einteilen wollen und hierbei spezielle Beobachtungsaufgaben, z.B. die „Zahlenforschergruppe“ (vgl. Extrafaltblatt) oder die „Formenforscher“ (vgl. Extrafaltblatt) oder andere wichtige Funktionen, z.B. Fotograf, Messgerätewart, Zeitwächter, … übernehmen möchten.

Dann kann die erste Erkundungstour, die sogenannte Forscherphase starten. Die Dauer und die Länge der Tour können je nach örtlichen Gegebenheiten und nach Alter der Kinder variieren. Mit größeren Kindergruppen empfiehlt es sich, verkehrsberuhigte Wege (Fußgängerzonen, Wohngebiete) oder Spazierwege in Parkanlagen zu nutzen. Wenn jedes Kind sein Faltblatt und ein Klemmbrett dabei hat, sollten immer wieder kleine Schreib- bzw. Malpause eingelegt werden, so dass die kleinen Matheforscher genügend Zeit haben, ihre Entdeckungen aufzuschreiben oder aufzumalen. Während der Erkundungstour sollte der Lernbegleiter eine gute Balance finden zwischen Phasen mit anregenden Fragen, Impulsen oder Aufträgen und Phasen, in denen er sich zurück hält und sich auf die Ideen und Beobachtungen der Kinder einlässt.

Geeignete Forscherfragen, Impulse oder Erkundungsaufträge für die Matheforscher Erkundungstour:

  • Welche Zahlen entdeckst du? Was bedeuten sie? (z.B. Hausnummern, Preisschilder)
  • Suche nach eckigen Formen. (z.B. Fenster, Briefkästen)
  • Welche runden Formen entdeckst du? (z.B. runde Verkehrsschilder, kugelförmige Straßenlaternen)
  • Fotografiere besonders schöne Muster! (z.B. in Zaunfeldern, an Hausfassaden, auf Grehwegen)
  • Welche symmetrischen Dinge entdeckst du? (z.B. Laubblätter, Brückengeländer)
  • Was kannst du schätzen? (z.B. Fahrräder, Länge von Parkbänken, Zeitdauer der Rotphase bei Ampeln)
  • Zähle viele Dinge! (z.B. Schritte von … bis …, Fenster eines Gebäudes)
  • Was kannst du messen? (z.B. Länge eines Weges, Gewicht einer Kiste, Zeitspanne von … bis …)
  • Probiere mit Zahlenangaben, die du entdeckst, zu rechnen. (z.B. Wie viel kosten drei Kugeln Eis? In wie viel Minuten kommt die nächste Bahn?)
  • Was kannst du beschreiben/vergleichen? (z.B. Auf dem Parkplatz stehen mehr Autos als Motorräder. Der Baum ist höher als die Straßenlaterne.)

Wieder zurück in der Kita bzw. in der Schule sollten die kleinen und großen Matheforscher Gelegenheit haben, über ihre Eindrücke zu sprechen, sich auszutauschen und auch ihr Faltblatt „Meine Matheforscher Erkundungstour“ zu vervollständigen. Dazu dient eine gemeinsame Auswertungs- und Präsentationsphase. Hierbei sollte Gelegenheit sein, sich die entstandenen Fotos (evtl. über ein Smartboard) anzusehen und für eine weitere Präsentation geeignete Aufnahmen auszuwählen.

Geeignete Reflektionsfragen:

  • Welche mathematischen Dinge habt ihr entdeckt? Was war das spannendste? Warum?
  • Wie viel Mathematik steckt in unserer Umgebung? Stelle einige Beispiele vor.
  • Stelle dein Faltblatt „Meine Matheforscher Erkundungstour“ vor!
  • Mit welchem Thema möchtet/möchtest ihr euch/du dich weiter beschäftigen?
  • Was möchtet ihr/möchtest du präsentieren?

Zur Präsentation der Entdeckungen der „Matheforscher Erkundungstour“ bietet sich ein Lapbook besonders an. Dies kann als Einzel- oder auch als Gruppenarbeit gestaltet werden. Tipps und Hinweise zum Erstellen von Lapbooks in der Grundschule findest du hier. Auch eine Posterpräsentation oder Fotoausstellung ist denkbar.

Mögliche Anschlussforschungen:

Schülerinnen und Schüler eines dritten oder vierten Schuljahres können darüber hinaus noch eine zweite vertiefendere Erkundungstour vorbereiten. Hierfür können sie in Partnerarbeit selbst eine Forscherfrage formulieren oder einen eigenen Beobachtungsschwerpunkt festlegen. Zur Begleitung eignet sich das Faltblatt „Eine Forscherfrage für die Matheforscher Erkundungstour“. Als ein besonderer Höhepunkt kann z.B. auch eine „Geometrische Stadtrallye“ (oder auch „Mathematische Stadtrallye“) gemeinsam mit den Kindern vorbereitet werden. Hierbei kann z.B. ein besonderer Weg durch die Stadt (oder den Ort) verfolgt werden und an verschiedenen Stationen geometrische (mathematische) Aufgaben gelöst bzw. bearbeitet werden, wobei die regionalen Besonderheiten der Umgebung sowie vielfältige mathematische Aktivitäten einbezogen werden.

Nicht nur die Kinder werden staunen, wie viel Mathematik in ihrer Stadt und in ihrer Umgebung steckt, sondern auch jeder andere, der die Tour begleitet oder sich die Präsentationen der kleinen und großen Matheforscher anschaut. Ich wünsche euch allen viel Freude und Entdeckergeist!

Mandy Fuchs